Hypnophobie – Was steckt hinter der Schlafangst?

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Hypnophobie - was ist Schlafangst?Im Bereich der Ängste, die in der Fachsprache auch als Phobien bezeichnet werden, wenn sie ein klinisch bedeutsames Ausmaß annehmen, gibt es allerhand Ungewöhnliches: So handelt es sich bei der Arachibutyrophobie um die Angst, dass beim Essen Erdnussbutter am Gaumen kleben bleibt. Wer unter Teutophobie leidet, hat Angst vor Deutschen, der deutschen Kultur und Ähnlichem. Gnosiophobie beschreibt die Angst vor Wissen, während man sich, wenn man unter Zemmiphobie leidet, vor Maulwürfen fürchtet.

Auch im Zusammenhang mit dem Schlaf wird eine spezifische Angststörung beschrieben, die man als Schlafangst bzw. Hypnophobie und seltener auch als Somnophobie / Somniaphobie bezeichnet. Gemeint ist damit die Angst vor dem Schlafen bzw. die Angst vor dem Einschlafen.

Es soll übrigens auch die Hypnotopophobie geben – die Angst vor dem Bettenmachen.

In unserem heutigen Artikel im Schlafmagazin beschäftigen wir uns genauer mit der Hypnophobie. – Wir erklären in diesem Zusammenhang u. a., was Schlafangst überhaupt ist und was man tun kann, wenn man unter Hypnophobie leidet.


Was versteht man unter Hypnophobie?

Für Menschen, die mit Hypnophobie zu kämpfen haben, verursacht der Gedanke daran, einzuschlafen bzw. zu schlafen eine irrationale Angst. Diese Schlafangst führt dazu, dass Betroffene versuchen, das Schlafen um jeden Preis zu vermeiden. In der Folge kommt es zu Schlafmangel bis hin zu Schlaflosigkeit sowie allen damit verbundenen negativen Begleit- und Folgeerscheinungen.

Hypnophobie kann auch eine generelle Angst vor der Dunkelheit oder aber auch eine konkrete Angst vor dem Auftreten von Albträumen sein. Weiterhin kann Schlafangst ebenfalls die Angst davor sein, nach dem Einschlafen nicht mehr aufzuwachen.

Im medizinischen Bereich gehört Hypnophobie nicht zu den gängigen Diagnosen bzw. wird die Schlafangst oder Angst vorm Schlafen nur selten als Hypnophobie bezeichnet.

Damit Ärzte von einer Phobie sprechen, muss die Angst bereits über einen längeren Zeitraum andauern. In der Regel geht man von etwa einem halben Jahr aus.

Um von Hypnophobie zu sprechen, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein. Dazu gehört beispielsweise, dass die Angst vorm Schlafen lang anhaltend, typischerweise sechs Monate oder länger besteht. Hegt man den Verdacht, an einer ausgeprägten Schlafangst zu leiden, sollte man zunächst seinen Hausarzt aufsuchen. Dieser wird dann ggf. eine Überweisung an einen Psychotherapeuten ausstellen, welcher dann bei der genauen Bestimmung und Bewältigung der Phobie unterstützen kann.

Hypnophobie/Schlafangst hat nichts mit dem Nachtschreck (Pavor nocturnus, Nachtangst) zu tun; einem nächtlich auftretenden Phänomen, von dem in erster Linie Kinder betroffen sind. Mehr dazu im Artikel: Wenn der Nachtschreck das Kinderzimmer heimsucht: Tipps und Hilfe für Eltern


Wie entsteht Schlafangst?

Man geht davon aus, dass Personen, die unter Hypnophobie leiden, im Laufe ihres Lebens irgendwann eine Erfahrung gemacht haben, dass das Einschlafen mit etwas Negativem einhergeht. Dabei kann es sich zum Beispiel um schlimme Albträume handeln oder um panisches Aufwachen in der Nacht mit starkem Herzklopfen und rinnendem Schweiß. Schlafangst kann auch als Folge einer Schlafparalyse (Schlaflähmung) Begebenheit auftreten.

Häufen sich diese unangenehmen Momente während der Nachtruhe, nehmen die Ängste davor mit der Zeit mehr und mehr zu. Der Betroffene möchte nicht mehr in diese für ihn unkontrollierbare Lage geraten, in der er sich nicht wohlfühlt und fürchtet. In der Folge kommt bereits Panik auf, wenn die Gedanken nur Richtung Einschlafen und Schlafen gehen.

Meist schlafen Hypnophobiker dann doch irgendwann „schwer“ erschöpft ein, wobei der dann folgende Schlaf nur wenig erholsam ausfällt und die erforderliche Regeneration nur eingeschränkt stattfindet.


Welche Auswirkungen hat die Hypnophobie?

Wie wirkt sich Hypnophobie - Schlafangst aus?
Durch die im Rahmen der Hypnophobie täglich auftretenden Angst kommen die Betroffenen kaum richtig zur Ruhe. Wie bereits beschrieben, fällt die Schlafqualität in aller Regel schlecht aus und auch die Schlafquantität leidet unter der Schlafangst gewaltig. So kommen viele lediglich auf drei bis fünf Stunden nächtlichen Schlaf, was nicht genug ist.

Das Schlafdefizit führt zu Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit und nimmt Einfluss auf die gesamte Gesundheit sowie das Wohlbefinden. Im Bereich der Psyche kommt erschwerend dazu, dass es oft so ist, dass das Umfeld kein Verständnis für die nicht rational nachvollziehbare Schlafangst aufbringen kann.

Lesen Sie hierzu auch unseren Schlafmagazin-Artikel:
Welche Folgen hat Schlafmangel?

Darüber hinaus sind unter Schlafangst leidende Personen sehr hohem Stress ausgesetzt, der durch den krampfhaften Versuch, den Schlaf zu verhindern, aufgebaut wird.

Menschen mit Hypnophobie sind sich oft vollkommen darüber im Klaren, dass die Angst vor dem Einschlafen bzw. Schlafen unbegründet ist. Sie sind jedoch allein kaum in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Das Wissen um die irrationale Angst führt nicht automatisch dazu, dass der Betroffene die Angst „aufgeben“ kann.

Für viele Hypnophobiker ist ihre Angststörung auch mit Scham verbunden. Sie schämen sich, weil sie Angst vor etwas so Selbstverständlichem, Natürlichem und Notwendigem wie dem Schlaf haben und deuten ihre Ängste als Schwäche oder als Versagen. Auch das sorgt für noch mehr innerlichen Stress und Unwohlsein. Schlafangst kann sogar die Entwicklung einer Depression begünstigen. Die Depression beeinflusst den Schlaf wiederum negativ.


Was kann man gegen Schlafangst tun?

Ein Patentrezept zur Überwindung der Hypnophobie gibt es so nicht und auch keine Standardtherapie beim Arzt. Wichtige Schritte sind Stressabbau und Entspannung. In gewisser Weise handelt es sich ja bei der Angst vor dem Schlafen auch um Stress und auch der wirkt sich wiederum seinerseits auf den Schlaf aus.

Sinnvoll sind angenehme Beschäftigungen am Abend wie z. B. das Anwenden von Entspannungstechniken wie Qigong, Atemübungen oder auch Pilates.

Man sollte sich außerdem mit der richtigen Schlafhygiene befassen und versuchen alle Schlafräuber, die zusätzlich zur Hypnophobie in Erscheinung treten können, zu vermeiden.

Wichtig ist auch, den Kopf „auszuschalten“. Man sollte nicht anfangen zu grübeln und sich in seiner Angst verlieren. Hilfreiche Tipps gegen das (nächtliche) Grübeln finden Sie in unserem Artikel: Wolfsstunde – die Stunde des Wolfes: Was ist das und was kann man tun?

Die Einnahme von Schlafmitteln kann bei Hypnophobie kurzzeitig für Schlaf sorgen, packt das Problem aber nicht an der Wurzel. Der Schlaf wird durch Schlaftabletten vielleicht mehr, vielleicht sogar erholsamer, aber die Angst bleibt bestehen. Sie wird lediglich ausgeschaltet, so lange, bis man wieder versucht, ohne Medikamente in den Schlaf zu finden.

Hilfreich zur Bekämpfung der Schlafangst kann eine kognitive Verhaltenstherapie sein. Im Rahmen der Therapie kann der Betroffene die in ihm verborgenen Ursachen seiner eigenen Ängste erforschen und einen neuen Umgang damit erlernen. Der Therapeut entwickelt dazu mit dem Klienten während der Therapiesitzungen neue Denkmuster und Handlungsweisen, die dann auf ihre Wirksamkeit getestet und eingeübt werden können.

Wie bei anderen Phobien wie der Arachnophobie (Angst vor Spinnen) kann auch bei Schlafangst die Konfrontationstherapie ein guter Weg zur Bewältigung der Angststörung sein. Die Konfrontationstherapie ist ein Teil der Verhaltenstherapie und setzt auf die schrittweise Konfrontation des Betroffenen mit dem, was die größte Angst verursacht. Der Klient soll dabei lernen, dass im Schlaf nichts Schlimmes passiert – der Schrecken soll verloren gehen.


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Linda Liss

Als Social Media Managerin betreut sie seit 2021 die Social Media Kanäle u. a. von Betten.de und ist zudem als Autorin für das Schlafmagazin tätig.

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