Wenn der Nachtschreck das Kinderzimmer heimsucht: Tipps und Hilfe für Eltern

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Nachtschreck im Kinderzimmer

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Ihr Kind schreckt mitten in der Nacht panisch aus dem Schlaf auf, hat heftige Angst und ist kaum mehr zu beruhigen? Dann leidet Ihr Knirps vermutlich unter dem sogenannten Nachtschreck (Pavor nocturnus).

Warum das fiese Schreckgespenst es auf Ihren Nachwuchs abgesehen hat und wie Sie Ihrem Spross in einer solchen Situation beistehen können, erfahren Sie in diesem Artikel.

Anzeichen: Was ist der Nachtschreck genau?

Die gute Nachricht vorab: Bei dem Symptom handelt es sich nicht um eine Krankheit, sondern um eine harmlose Schlafstörung. Sie tritt gehäuft bei Kindern zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr auf. In seltenen Fällen können auch Babys, Teenager oder Erwachsene davon betroffen sein.

Der Nachtschreck zeigt sich dadurch, dass der Betroffene urplötzlich aus dem Schlaf hochschreckt und von massiver Furcht geplagt wird.

Zu den Anzeichen der nächtlichen Angst zählen:

  • Schreien und alarmierendes Kreischen
  • Unkontrolliertes Schlagen
  • Strampeln und Treten
  • Aufgerissene Augen
  • Keuchen, Stöhnen oder Wimmern
  • Gänsehaut
  • Angstschweiß
  • Beschleunigte Atmung
  • Hoher Puls
  • Desorientiertheit

Obwohl der Spross die Augen weit geöffnet hat, sich lebhaft gebärdet und laut mitteilt, ist er von außen nicht ansprechbar. Eltern oder Geschwister können in der akuten Situation das Kind also nicht erreichen. Es scheint, als sei es in seiner Angst gefangen – tatsächlich aber schläft es weiter.


Wie lange dauert die Situation?

Schlimmstenfalls kann die nächtliche Attacke knapp eine viertel Stunde lang andauern. Meist legen sich die Symptome jedoch nach wenigen Minuten. Danach schläft das Kind allmählich wieder ein. Anders als bei einem Albtraum hat das Mädchen oder der Junge am nächsten Morgen keinerlei Erinnerungen an das nächtliche Erleben.


Ist der Nachtschreck normal?

Man geht davon aus, dass rund sechs Prozent aller Kinder den Nachtschreck einmal durchleben. In manchen Familien scheint es eine Häufung zu geben, und der Nachwuchs gerät immer mal wieder in diesen Zustand. Tendenziell sind Jungen öfter von dem Symptom betroffen als Mädchen.


Was steckt hinter dem Nachtschreck?

Der Ausnahmezustand tritt immer in der ersten sog. Non-REM-Phase auf. Das ist jene Zeitspanne, die zwischen dem Einschlafen und der Tiefschlafphase liegt. Dabei sinken die Körpertemperatur und der Blutdruck ab; der Muskeltonus und das vegetative Nervensystem entspannen sich normalerweise.

Beim Nachtschreck geht man deshalb davon aus, dass eine Überreaktion des noch nicht vollständig ausgebildeten Nervensystems dahintersteckt. Diese Überaktivität lässt sich im Schlaflabor sogar messen.

Psychoanalytiker vermuten zudem, dass die Vorfälle durch Angst, Stress, Konflikte und sonstige negative Erfahrungen gefördert werden könnten. Demzufolge wäre auch eine seelische Ursache denkbar.


Was hilft, den Nachtschreck zu überwinden?

Wissen muss man, dass die wenigsten Kinder unter der Attacke leiden. Da sie am nächsten Morgen quasi keine Erinnerung an das Geschehen haben, fühlen sie sich in der Regel davon nicht beeinträchtigt.

Vielmehr müssen Eltern lernen, mit dem nächtlichen Erlebten umzugehen. Achten sollte man darauf, das Kind durch Erzählungen nicht zu verunsichern oder gar zu verängstigen.

Sollte man den Nachwuchs wecken?

Nachgewiesen ist, dass der Betroffene während der Phase schläft und dabei nur schwer aufzuwecken ist. Gelingt das Wachrütteln trotzdem, zeigen sich starke Verwirrtheit und Desorientiertheit. Auch kann sich das Mädchen oder der Junge nicht erklären, warum Mama und Papa sorgenvoll am Bettchen stehen und könnte zusätzlich erschreckt werden. Deshalb raten Mediziner dazu, das Kind im akuten Fall nicht zu wecken.

Nachtschreck-Anfall: Was sollte man während eines solchen Vorfalls tun?

Nachtschreck trösten

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In erster Linie muss das Kind beruhigt und vor Selbstverletzungen geschützt werden. Kinderärzte empfehlen betroffenen Eltern, den Spross liebevoll in den Arm zu nehmen und sicher festzuhalten. Beruhigende Worte, leichtes Streicheln und sanftes Wiegen können dazu beitragen, dass sich das überreizte Nervensystem sukzessive entspannt. Hilfreich könnte es auch sein, eine schöne Melodie zu summen oder leise ein bekanntes Lied abzuspielen. Je nachsichtiger und bedachter man sich zeigt, desto besser.

Keinesfalls sollten Eltern die Situation verschärfen, indem sie Panik, Hilflosigkeit oder Stress ausstrahlen. Lautes Ansprechen, Rütteln oder Schimpfen wirken kontraproduktiv.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Die Schlafstörung Pavor nocturnus ist harmlos und muss nicht behandelt werden. Selbst wiederkehrende Episoden sind normal. Das Kind bekommt von der Situation nahezu nichts mit und entwickelt dementsprechend auch keinen Leidensdruck.

Wer bestimmte Krankheiten wie eine schlafgebundene Epilepsie oder hypnagoge Halluzinationen ausschließen möchte, sollte sich an seinen Hausarzt wenden. Hält der Mediziner es für erforderlich, kann er ein EEG anordnen oder den kleinen Patienten zu einem Neurologen überweisen.


Was kann man vorbeugend gegen den Nachtschreck tun?

Sicher verhindern kann man die nächtlichen Attacken nicht. Weil man aber nicht ausschließen kann, dass hinter den Angstreaktionen eine psychische Komponente steckt, sollten Eltern alles dafür tun, dass ihr Spross einen entspannten, selbstsicheren und konfliktfreien Alltag genießen kann.

Insbesondere die Stunden vor dem Zubettgehen sollten harmonisch und innig gestaltet werden. Auch können wiederkehrende Einschlafrituale und ein gemütliches Bett dabei helfen, für mehr Sicherheit im Kinderzimmer zu sorgen. Um im Fall der Fälle den Nachwuchs vor Selbstverletzungen zu schützen, könnten weiche Kissen und Stofftiere am Rand der Matratze drapiert werden, um Schläge und Tritte abzufedern. Ist das nächtliche Erleben sehr intensiv, könnte ein niedrig gebautes Bett das Mädchen oder den Jungen vor einem gefährlichen Sturz bewahren.


Was sonst noch gegen den Nachtschreck hilft

Alle Faktoren, die entspannend auf das vegetative Nervensystem einwirken, dürften hilfreich sein. Dazu zählen beispielsweise bestimmte Bachblüten, homöopathische Globuli oder spezielle Naturheilmittel. Bewährt haben sich ferner beruhigende Tees oder natürliche Aromaöle, die eine dämpfende Wirkung haben. Lassen Sie sich von einem kundigen Therapeuten oder Alternativmediziner beraten, damit die Präparate kindgerecht zusammengestellt und dosiert werden. Eine solche Entspannungstherapie dauert meist nur wenige Wochen und könnte beispielsweise in den Ferien ausprobiert werden.

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Judith Schober

Judith Schober

Als Content Marketing Managerin betreut sie seit 2014 die Online-Redaktion des Shops Betten.de. Im Schlafmagazin veröffentlicht sie u. a. Beiträge rund um aktuelle Einrichtungstrends sowie Pflegetipps und Artikel zu Gesundheitsthemen.

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