Was sind schlafbezogene Halluzinationen?

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Was sind schlafbezogene Halluzinationen und sind diese gefährlich?Regelmäßig beschäftigen wir uns im Schlafmagazin mit Schlafstörungen und besonderen Phänomenen rund um den Schlaf. – In diesem Artikel befassen wir uns mit den schlafbezogenen Halluzinationen und stellen Ihnen diese genauer vor.

Was sind Halluzinationen und was sind schlafbezogene Halluzinationen?

Bei den Halluzinationen handelt es sich um Störungen der Wahrnehmung, welche sich auf die fünf Sinne des Menschen beziehen. – Im Rahmen von Halluzinationen kann es also zu einer Wahrnehmungsstörung im Bereich Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken oder Riechen kommen.

Wer unter Halluzinationen leidet, sieht beispielsweise Dinge, Tiere oder Personen, die nicht da sind. Oder aber er hört Stimmen oder Geräusche, die nicht von einer äußeren Schallquelle verursacht werden und somit nicht real sind. Akustische Halluzinationen in dieser Art stellen die häufigste Form von Halluzinationen dar.

Für halluzinierende Personen haben die wahrgenommenen Reize Realitätscharakter. Es kann Ihnen dementsprechend schwer fallen, zu entscheiden, was tatsächlich passiert und was nur „im eigenen Kopf“ vor sich geht.

Duden – Definition Halluzination

Halluzination, die
vermeintliche, eingebildete, durch Sinnestäuschung hervorgerufene Wahrnehmung; Sinnestäuschung

Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Halluzination

Schlafbezogene Halluzinationen können mehrere Minuten andauern und treten – wie der Name schon vermuten lässt – im Zusammenhang mit dem Schlaf bzw. beim Übergang zwischen Schlaf und Wachheit oder auch zwischen den Schlafphasen auf. Dabei unterscheidet man zwischen hypnagogen Halluzinationen und hypnopompen Halluzinationen.

Hypnagoge Halluzinationen treten beim Einschlafen (Wechsel vom Wachen zum Schlafen) auf, während sich hypnopompe Halluzinationen beim Aufwachen (Wechsel vom Schlafen zum Wachen) zeigen.

Bei den schlafbezogenen Halluzinationen sind die hypagogen Halluzinationen wesentlich häufiger als die hypnopompen Halluzinationen. – Man geht davon aus, dass beinahe jeder Erwachsene – Frauen und Männer gleichermaßen – mindestens einmal im Leben eine Halluzination erlebt, die im Zusammenhang mit dem Einschlafen auftritt. Kinder „leiden“ normalerweise nicht unter schlafbezogenen Halluzinationen.

Schlafhalluzinationen gehören zu den Parasomnien. Im Gegensatz zu den Träumen, die während des REM-Schlafes stattfinden, ist der Betroffene bei den schlafbezogenen Halluzinationen weitgehend wach. Die Halluzinationen können sowohl im Rahmen des Nachtschlafs als auch beim Nickerchen am Tage (Tagschlaf) auftreten.

Video: Hypnagoge Halluzinationen: Nützlich oder gefährlich? | HigherMind


Wie äußern sich schlafbezogene Halluzinationen?

Schlafbezogene Halluzinationen treten oft in Form von äußerst realistischen und sehr intensiven Träumen oder Trugwahrnehmungen auf, die im Wachen stattfinden und den Betroffenen zum Teil stark verängstigen können. Die Sinneswahrnehmungen können dabei visuell, akustisch oder auch taktil erlebt werden. Betroffene hören beispielsweise Schritte, die sich dem Bett nähern oder nehmen etwas oder jemanden wahr, der vermeintlich durch das Schlafzimmerfenster in den Raum gelangen will. Auch das Gefühl zu laufen oder zu fallen, wenn man im Bett liegt, kann eine Schlafhalluzinationen sein.

Gelegentlich haben Betroffene während der Halluzinationen auch das Gefühl, dass sie sich nicht allein im Schlafzimmer befinden, sondern noch eine dritte Person anwesend ist.

Die große Angst, die in Verbindung mit schlafbezogenen Halluzinationen, auftreten kann, rührt nicht zuletzt daher, dass der Betroffene sich in einem halbwachen und zumeist gleichzeitig bewegungsunfähigen Zustand (Schlaflähmung bzw. Schlafparalyse) befindet.

Video: Schlafparalyse: Hannah hat Horror-Halluzinationen | reporter


Sind schlafbezogene Halluzinationen gefährlich oder schädlich für die Gesundheit?

Wenn Schlafhalluzinationen isoliert – also unabhängig von anderen Schlafstörungen oder Symptomen – auftreten, haben diese in der Regel keinen bedeutsamen Krankheitswert. Sie können in diesem Zusammenhang auch innerhalb einer Familie vererbt werden.

Schlafbezogene Halluzinationen können auch die Folge von Stress, Schlafmangel und dem Konsum von Alkohol sein. Darüber hinaus kann auch Drogenmissbrauch – insbesondere von halluzinogenen Rauschmitteln wie z. B. LSD – Halluzinationen im Kontext mit dem Schlaf hervorrufen.

Personen, die unter Depressionen, Angstzuständen oder einer bipolaren Störung leiden, sind deutlich anfälliger für das Auftreten von Schlafhalluzinationen. Man muss also schauen, ob eventuell auch eine psychische Erkrankung als Ursache für das Auftreten der schlafbezogenen Halluzinationen infrage kommt, welche eventuell (auch aus anderen Gründen) behandelt werden sollte. In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass die Einnahme von trizyklischen Antidepressiva das Auftreten von schlafbezogenen Halluzinationen begünstigt.

Es kann sich bei schlafbezogenen Halluzinationen jedoch auch um ein Indiz für den Beginn einer degenerativen Erkrankung des Gehirns wie Parkinson oder eine beginnende Narkolepsie handeln.

Rund 40% aller Personen, die unter Narkolepsie leiden, leiden auch unter hypnagogen und / oder seltener auch hypnopompen Halluzinationen.

Treten Schlafhalluzinationen wiederholt bzw. gehäuft auf, sollte man zur Abklärung einen Arzt konsultieren, der sich mit dieser Thematik auskennt und prüft, ob es im Zusammenhang Anzeichen für eine ernsthafte Schlafstörung oder Erkrankung gibt.

Einige Betroffene verwechseln die schlafbezogenen Halluzinationen auch mit Wahnvorstellungen wie sie im Rahmen psychischer Erkrankungen in Erscheinung treten, wodurch das Wohlbefinden beeinträchtigt und weitere innere Ängste geschürt werden.


Was kann man gegen schlafbezogene Halluzinationen unternehmen?

Um herauszufinden, ob die schlafbezogenen Halluzinationen im Zusammenhang mit einer anderen Schlafstörung stehen, sollte zur Diagnostik vielleicht zunächst ein Schlafmediziner hinzugezogen werden, der ggf. Untersuchungen im Schlaflabor in die Wege leitet. Darüber hinaus muss eventuell geschaut werden, ob eine andere Erkrankung vorliegt, für welche die schlafbezogenen Halluzinationen symptomatisch sind.

Liegen Schlafstörungen wie Narkolepsie vor, sollten diese behandelt werden, um so gleichzeitig auch die schlafbezogenen Halluzinationen zu behandeln.

Werden die schlafbezogenen Halluzinationen durch den Konsum von Drogen oder Alkohol begünstigt, sollte man darauf verzichten. Gleiches gilt auch für den Fall, wenn die Halluzinationen durch die Einnahme bestimmter Medikamente hervorgerufen bzw. verstärkt werden. Hier sollte mit dem Arzt über das Absetzen bzw. das Austauschen des Arzneimittels gesprochen werden.

Wer häufiger unter Schlafhalluzinationen leidet, sollte generell versuchen, Schlafdefizite zu vermeiden und Stress zu reduzieren. Hier können Entspannungstechniken wie Yoga, Autogenes Training, Qigong oder auch Atemübungen hilfreich sein.



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Annika Franke

Als Redakteurin haucht sie seit 2018 den Produkten des Online-Shops Betten.de mit ihren Texten Leben ein. Darüber hinaus schreibt sie gerne Artikel für das Schlafmagazin zu verschiedenen Themen.

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