Ist Snoozen schädlich für die Gesundheit?

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Ist Snoozen schädlich für die Gesundheit? Schadet Snoozen?Unter Snoozen versteht man das kurzzeitige Unterbrechen des Weckers bzw. der Weckfunktion am Smartphone / Handy, um noch einige Minuten weiter zu schlummern, bevor man dann aufsteht. Für viele Menschen beginnt der Morgen gleich mit wiederholtem Snoozen.

Im Schlafmagazin befassen wir uns in diesem Artikel genauer mit der Snooze Funktion am Wecker bzw. mit dem Snoozen als „Start-in-den-Tag-Verhalten“: Hat das Snoozen Auswirkungen auf unseren Schlaf oder auf unsere Fitness beim Aufstehen? Wirkt sich das Snoozen gar schädlich auf unsere Gesundheit aus? – Wir sind den Dingen auf den Grund gegangen und haben alle wichtigen Informationen und Fakten rund um das Snoozen und seine Auswirkungen auf unseren Körper und Geist bzw. unsere Gesundheit für Sie zusammengetragen.

Worum handelt es sich bei Snooze bzw. der Snooze-Taste oder der Snooze-Funktion überhaupt?

Der Ausdruck snooze kommt aus der englischen Sprache und bedeutet übersetzt dösen, pofen oder nicken. Bezogen auf den Wecker beschreibt der Begriff Snooze eine spezielle Funktion, die sich nach Auslösen des Weck-Alarms durch Drücken eines eigen dafür vorgesehenen Knopfes bzw. Buttons oder Slides auf dem Smartphone aktivieren lässt. Ist der Snooze Modus durch den Knopfdruck aktiviert, wird der Weck-Alarm für eine bestimmte Zeit (im Standard oft neun Minuten – s. u.) unterbrochen. Meist kann man beliebig oft snoozen, so dass sich einige nach dem ersten „Weckruf“ noch eine ganze Stunde oder sogar mehr Zeit im Bett „ersnoozen“.

Auf Deutsch wird die Snooze-Funktion auch als Schlummermodus bezeichnet. Beim Smartphone Wecker wird die Snooze Funktion oft auch nur durch „zzz“ dargestellt.

Erfunden wurde die Snooze-Funktion bereits in den 1950er Jahren in den USA. Dort brachte das Unternehmen General Electric Telechron 1956 den Wecker 7H241 auf den Markt. Es handelte sich dabei um einen ganz normalen mechanischen Wecker, der oben auf dem Gehäuse über eine breite Snooze-Taste verfügte, die ebenfalls mechanisch funktionierte.

Durch Druck auf die Snooze-Taste sollte sich der Schlaf um zehn Minuten verlängern lassen, bevor der Wecker einen erneute Weckversuch startete. In der Praxis wurden die zehn Minuten allerdings nicht ganz erreicht, sondern es blieb bei neun Minuten und einigen Sekunden zusätzlicher Schlummerzeit. – Man geht davon aus, dass die Standard-Snooze-Zeit von neun Minuten bei den Weckern von heute darauf zurückzuführen ist.

An die voreingestellten neun Minuten beim Snoozen muss man sich aber heutzutage keineswegs halten und kann z. B. beim Android-Smartphone selbst festlegen, wie lange die durch das Snoozen „erkaufte“ Schlummerzeit andauert, bevor sich der Wecker erneut meldet.


Ist Snoozen schädlich für die Gesundheit?

Snoozen soll sich tatsächlich schädlich auf Wohlbefinden und Gesundheit auswirken, da sind sich die Schlafexperten einig.

Wer ständig nach dem ersten Wecker-Klingeln wiederholt auf die Snooze-Taste drückt, um noch kurz etwas weiter zu schlummern, der bringt durch diesen permanenten Wechsel zwischen Aufwachen und Wieder-Einschlafen laut US-Schlafforscher Robert Rosenberg, seine innere Uhr aus dem Gleichgewicht.

Das Wieder-Einschlafen beim Snoozen sorgt für eine erneute Melatonin-Produktion im Körper, während das Aufwachen bzw. das durch Den-Wecker-geweckt-werden, den Körper durch Adrenalinausschüttung in Alarmbereitschaft versetzt. Es kommt also zu einem ungünstigen Wechselspiel aus künstlicher Erregung und kurzzeitiger Entspannung.

Der Schlafrhythmus, der sich durch das fortwährende und wiederholte Nutzen der Snooze Funktion am Wecker ergibt, ist alles andere als natürlich und auf Dauer auch nicht gesund. Irgendwann weiß das Gehirn gar nicht mehr, ob es müde oder wach sein soll. – Für Betroffene bedeutet dieses, dass sie sich am Tag häufiger abgeschlagen, müde und antriebslos fühlen, während es in der Nacht zu Schlafstörungen kommt.

Video: Das tust du deinem Gehirn an, wenn du auf Snooze drückst – Sonnenseite

Viele Menschen drücken auf die Schlummer-Taste am Wecker oder Smartphone, weil sie generell zu wenig Schlaf bekommen und glauben, dass sie durch das kurze Verlängern des Schlafes via Snooze mehr Erholung erreichen können, was aber in der Regel nach hinten los geht. Hier würde es lediglich helfen, am Abend früher zu Bett zu gehen, um so auf eine ausreichende Schlafdauer zu kommen und so in den Genuss der notwendigen Erholung zu kommen.

In der Schlafforschung wird übrigens bereits ab einer regelmäßigen Schlafdauer von sechs oder weniger Stunden pro Nacht von einem chronischen Schlafmangel gesprochen. – Hierbei sind allerdings sicherlich noch individuelle Unterschiede zu machen (siehe hierzu: Kurzschläfer und Langschläfer). Letzten Endes geht es weniger darum, eine fest definierte Anzahl von Schlafstunden pro Nacht zu sammeln, sondern vielmehr um das Erfüllen des persönlich für die Regeneration erforderlichen Schlafpensums.

In der Folge kann dieses wiederum eine während des Tages anhaltende Abgeschlagenheit und damit verbunden eine mangelnde Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit nach sich ziehen. Auf längere Sicht kann es durch einen Schlafmangel wie auch durch ein Zuviel an Schlaf außerdem zu weiteren ernsthaften Gesundheitsproblemen und erhöhten Krankheitsrisiken kommen. Dazu zählen u. a. Übergewicht, Gefäßerkrankungen, Diabetes oder Demenzen.

Social Jetlag

Hinter dem häufigen Gebrauch der Snooze-Funktion bzw. hinter der Unfähigkeit morgens direkt und problemlos aufzustehen, steckt meist ein chronischer Schlafmangel, den Rosenberg als Social Jetlag bezeichnet. Betroffene Personen sind schlichtweg zu müde, um sich unmittelbar nach dem Wecker aus dem Bett zu erheben und kämpfen deshalb um jede weitere Minute im Bett bzw. um jede weitere Minute Schlaf, auch wenn dieser kaum erholsam sein wird.

Dieser soll größtenteils auf einer regelmäßigen und übertriebenen Nutzung von elektronischen Geräten wie Notebook, Tablet und Smartphone basieren. Durch das blaue Licht, welches von den Bildschirmen der Geräte abgegeben wird, kommt es zu einer Hemmung der Melatonin-Produktion im Körper. Melatonin sorgt normal dafür, dass wir müde sind und schlafen können. Fehlt es an Melatonin, kann dieses zu Schlafstörungen, Einschlafproblemen und so letzten Endes auch zu (chronischem) Schlafmangel führen.

Robert Rosenberg plädiert deshalb dafür, die Verwendung der elektrischen Geräte mindestens 90 Minuten vor dem Zubettgehen einzustellen und damit auch die Kontaktpflege via Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram und Co. Frühzeitig vor dem Schlafengehen zu beenden. Auf diese Weise soll dem Social Jetlag entgegengewirkt werden.

Für den Körper kommt es nach dem Betätigen der Snooze Taste im schlimmsten Fall dazu, dass es zu einem erneuten Einschlafen und damit zum Start eines neuen Schlafzyklus kommt. Er reagiert darauf mit der Ausschüttung von Hormonen (Melatonin), damit eine Tiefschlafphase eingeleitet werden kann.

Wenn der Wecker dann zum nächsten Mal einen Weck-Versuch startet und klingelt, wird der neue Schlafzyklus unterbrochen – im schlimmsten Fall in einem bereits festeren Schlafstadium. – Der „Snoozer“ fühlt sich in diesem Moment durch die per Snooze erkaufte Zusatzruhezeit alles andere als ausgeruhter. Er ist ganz im Gegenteil regelrecht schlaftrunken, ein Zustand, welcher regulär für etwa 15 bis 30 Minuten anhalten kann.

Durch wiederholtes Snoozen kann es sogar dazu kommen, dass die daraus resultierende Schlafträgheit oder sogar Schlaftrunkenheit wesentlich länger anhält. Im Extremfall soll sich diese unangenehme Befindlichkeit über einen Zeitraum von zwei oder drei Stunden erstrecken können.


Schlafträgheit / Schlaftrunkenheit

Schlafträgheit beschreibt eine Situation nach dem Aufwachen, bei dem der Schlafzustand noch nicht vollständig beendet wurde. Im Gehirn gibt es deshalb neben den aktiven, arbeitenden Schaltkreisen, auch Schaltkreise, die noch inaktiv sind. Betroffene fühlen sich dabei kraftlos und müde. Bestimmte Denkaufgaben wie z. B. einfache Rechnungen lassen sich im Zustand der Schlafträgheit von den Betroffenen meist kaum bewältigen.

Der Zustand der Schlaftrunkenheit entspricht einer maximierten Schlafträgheit.


Wann ist Snoozen okay?

Dass sich wiederholtes Snoozen nicht dazu eignet, um ein Schlafdefizit auszugleichen bzw. im Gegenteil eher kontraproduktiv wirkt und nachteilig für die Gesundheit ist, haben wir unter: Ist Snoozen schädlich für die Gesundheit? umfassend erläutert. Aber kann es vielleicht auch einen sinnvollen Einsatz für die Snooze-Taste geben? Also kann man die Snooze-Funktion am Wecker so nutzen, dass es für den Nutzer von Vorteil ist und keine negativen Auswirkungen auf Körper und Geist zu befürchten sind?

Wie bei vielen Dingen im Leben, kommt es auch bei der Snooze-Funktion des Weckers darauf an, wie man diese interpretiert bzw. einsetzt. Betrachtet man das Snoozen nicht als Maßnahme zur Schlafverlängerung, sondern als Bestandteil eines verlängerten Aufwach- bzw. Wach-werd-Rituals kann das Snoozen absolut in Ordnung sein und sich sogar positiv auswirken.

Wer also die durch den Snooze-Button „geschenkte“ Schlummerzeit bewusst zum Wachwerden nutzt, sich z. B. ausgiebig streckt und reckt und mental auf das Aufstehen vorbereitet, macht damit normal nichts verkehrt. Es ist im Gegenteil eher so, dass er vielleicht der Typ ist, der morgens nicht direkt aus dem Bett springen kann, sondern einen etwas entschleunigten Start in den Tag braucht, um richtig fit zu werden.

Man sollte natürlich beim Snoozen als verlängerte Aufwachphase darauf achten, dass man nicht wieder (tief) einschläft.


Wie kann man sich das Snoozen abgewöhnen? – Tipps und Tricks

Tipps und Tricks: So kann man sich das Snoozen abgewöhnenDie Schlafzeit um die normal zum Snoozen genutzte Zeit verlängern und sich dann darüber freuen, dass diese Extra-Schlafzeit frei von Wecker-Störungen ist und so mit einer wesentlich höheren Qualität aufwarten kann.

Wecker so weit vom Bett entfernt platzieren, dass er außer Reichweite ist. Auf diese Weise ist ein Snoozen nur möglich, wenn man aufsteht und wenn man schon einmal aufgestanden ist, reduziert sich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass man sich um des lieben Snoozens willen noch einmal hinlegt. – Alternativ kann man auch auf einen Wecker oder eine Wecker-App umsteigen, bei dem bzw. bei der es keine Snooze-Funktion gibt. Auf diese Weise kommt man auch gar nicht erst in Versuchung.

Es kann auch hilfreich sein, am Abend versuchsweise früher zu Bett zu gehen. Wer am Tage fortwährend mit Müdigkeit zu kämpfen hat, sollte testen, ob es ihm hilft, wenn er sich 30 Minuten oder auch eine Stunde früher hinlegt. Unter Umständen kann es hier zur eigenen Beurteilung der Schlafqualität auch sinnvoll sein, für einige Zeit ein Schlaftagebuch zu führen. Dort kann man sich notieren, wie die Nacht mit mehr oder weniger Zeit zum Schlafen empfunden wurde. – Schlaftagebuch Vorlagen zum Herunterladen finden Sie hier im Magazin.

Wenn Sie vom Social Jetlag (s. o.) betroffen sind, sollten Sie sich auch an die Empfehlung halten, abends frühzeitig Smartphone, Tablet und Co. aus der Hand zu legen. Mindestens anderthalb Stunden vor dem Schlafengehen, sollten die elektronischen Geräte keine Rolle mehr spielen.



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Ulrich Carsten

Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop Betten.de und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.de-Schlafmagazin.

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