Was ist Schlaftrunkenheit?

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SchlaftrunkenheitVon Schlaftrunkenheit oder vom Schlaftrunken-Sein hat wohl schon beinahe jeder einmal gehört oder gelesen. In einem gewissen Rahmen sind wir sogar alles etwas von Schlaftrunkenheit betroffen bzw. haben den Zustand der Schlaftrunkenheit schon einmal kurz erlebt. Gemeint ist der Moment, wenn wir aus dem Tiefschlaf gerissen werden und kurzzeitig nicht wissen, wo wir uns befinden und was gerade passiert.

Schlaftrunkenheit kann jedoch auch heftigere Ausmaße annehmen und eine „echte“ Schlafstörung. In diesem Schlafmagazin Artikel befassen wir uns damit und erklären Ihnen u. a., was Schlaftrunkenheit ist, welche Ursachen Schlaftrunkenheit hat und was man gegen Schlaftrunkenheit unternehmen kann.

Gelegentlich bezeichnet man auch den Zustand bei akutem Schlafmangel als Schlaftrunkenheit, weil zu wenig Schlaf zu einem dem Alkoholrausch ähnlichen Zustand führt. Diese Form der Schlaftrunkenheit sei an dieser Stelle der Vollständigkeit halber erwähnt, findet aber im weiteren Artikel keinerlei Beachtung mehr.


Was ist Schlaftrunkenheit?

Bei der Schlaftrunkenheit handelt es sich um eine Aufwachstörung bzw. Arousal-Störung. Sie gehört zu den sogenannten NonREM-Parasomnien. Schlaftrunkenheit lässt sich mit Schlafwandeln vergleichen, bei dem die Betroffenen auch nicht richtig wach sind und nicht komplett mitbekommen, was passiert. Schlaftrunkenheit ist allerdings weniger bekannt und wird entsprechend weniger wahrgenommen.

Im Rahmen von Schlaftrunkenheit treten Störungen in der Orientierung (Zeit und Raum) und Gefühle von Benommenheit auf. Betroffene stehen meist neben sich und begehen rational nicht nachvollziehbare Handlungen, woran sie sich später häufig nicht erinnern können.

Betroffene wirken auf Dritte wach, sind jedoch in ihrer Wahrnehmung sowie in der Verarbeitung von Außenreizen inklusive ihrer Reaktion auf diese eingeschränkt. Das Agieren von schlaftrunkenen Personen macht einen zwar häufig einen zielgerichteten Eindruck, ist aber meist inadäquat. Das Sprechen ist oft verlangsamt und erfolgt nur schleppend.

Mental sind Schlaftrunkene oft erheblich beeinträchtigt. So verschlechtert sich die Reaktionszeit bei Schlaftrunkenheit etwa auf das Niveau von „echter“ Trunkenheit infolge von Alkoholkonsum.

Wie bei Schlafwandlern sollte man auch bei Personen, die häufiger unter länger anhaltender Schlaftrunkenheit leiden, die nähere Umgebung des Schlafzimmers so absichern, dass das Verletzungsrisiko während einer Episode so gering wie möglich ausfällt.

Der Zustand der Schlaftrunkenheit kann eine Viertelstunde bis hin zu einer halben Stunde andauern. Nicht selten kann sich der Betroffene anschließend nicht oder lediglich in Bruchstücken an die Episode der Schlaftrunkenheit erinnern.

In der Regel tritt Schlaftrunkenheit nach spontanem Erwachen oder auch Erwecken aus einer Tiefschlafphase in Erscheinung. Schlaftrunkenheit kann sich allerdings auch nach einem Erwecken am Morgen oder aber auch aus Tagschlaf heraus zeigen.

Schlaftrunkenheit tritt familiär gehäuft auf, wobei bis zu 17 % der Kinder (bis 13 Jahre) und etwa 4 % der Erwachsen darunter leiden. Hinsichtlich der Geschlechtsverteilung sind Frauen und Männer gleichermaßen von Schlaftrunkenheit betroffen.


Video: Schlaftrunkenheit – Besoffen im Schlaf !? | Schlafonaut


Welche Symptome hat Schlaftrunkenheit?

Schlaftrunkenheit kann mit diversen Symptomen einhergehen:

  • Verwirrungszustände beim Aufwachen (man spricht in diesem Zusammenhang auch von Verwirrungserregung)
  • Konzentrationsschwächen
  • Verlangsamtes Sprechen
  • Schreckhaftigkeit
  • Gedächtnislücken, Empfinden von Amnesie
  • Körperliche Übergriffe, die in Vergessenheit geraten
  • Brain Fog (Gehirnnebel) am Tag

Was löst Schlaftrunkenheit aus?

Schlaftrunkenheit kann im Zusammenhang mit anderen Schlafstörungen wie zum Beispiel einer Schlafapnoe, einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus oder auch von Schlafmangel im Allgemeinen auftreten.

Des Weiteren kann Schlaftrunkenheit auch eine Folge des Restless-Legs-Syndroms und der damit verbundenen reduzierten Schlafqualität sein.

Darüber hinaus kommen als Auslöser für Schlaftrunkenheit auch Alkoholkonsum, Angststörungen, psychische Erkrankungen wie eine bipolare Störung oder Depression, unregelmäßige Arbeitszeiten bzw. Schichtdienst oder übermäßiger Stress infrage.

Neben Schlafmangel kann auch ein Zuviel an Schlaf dazu führen, dass es zu Schlaftrunkenheit kommt.


Wie wird Schlaftrunkenheit diagnostiziert?

In der Regel ist die Diagnose von Schlaftrunkenheit nicht ganz so einfach. Neben der vielleicht vom Betroffenen selbst festgestellten Symptomen sind es oft Beobachtungen von ungewöhnlichen Verhaltensweisen nach dem Aufwachen durch den Partner, Verwandte oder Freunde, an die sich der Betroffene selbst nicht erinnern kann.

Wenn es zwischendurch zu einer Episode von Schlaftrunkenheit kommt, ist dieses noch kein Grund, gleich einen Arzt zu konsultieren. Kommt es allerdings häufiger zu Schlaftrunkenheit – mindestens einmal pro Woche – sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Das Hinzuziehen eines Arztes ist ebenfalls anzuraten, wenn es beim Aufwachen zu Verletzungen kommt – entweder beim Betroffenen selbst oder auch bei Dritten.

Wie bei anderen Schlafstörungen auch, sollte man sich zum Arzt begeben, wenn man am Morgen unerholt aufwacht, unter anhaltender Schlaflosigkeit leidet oder tagsüber häufiger einschläft – u. U. sogar während der Arbeit oder beim Autofahren.

Der Arzt wird sich genau mit den Umständen, der persönlichen Krankengeschichte und des individuellen Gesundheitszustandes befassen. Gibt es bestehende Schlafstörungen, Erkrankungen oder werden Medikamente eingenommen, die Schlaftrunkenheit verursachen oder fördern können? Liegt ggf. eine andere Schlafstörung zugrunde, die sich behandeln lässt bzw. behandelt werden muss, um die Schlaftrunkenheit in den Griff zu bekommen?

Darüber hinaus kann auch eine Untersuchung im Schlaflabor bei der Diagnostik der Schlaftrunkenheit helfen.


Lässt sich Schlaftrunkenheit behandeln?

Für Schlaftrunkenheit gibt es keine eigene Therapie. Wird die Schlaftrunkenheit durch eine andere Schlafstörung ausgelöst oder begünstigt, sollte diese nach Möglichkeit bestmöglich behandelt werden.

Bei ausgeprägten Symptomen der Schlaftrunkenheit und einer starken Belastung kann es unter Umständen hilfreich sein, wenn Medikamente wie Benzodiazepine eingenommen werden. Diese Arzneimittel wirken sich verkürzend auf den Tiefschlaf aus, wodurch sich u. U. das Auftreten von Episoden der Schlaftrunkenheit reduzieren lässt.

Zudem sollten – wie immer – die Regeln einer guten Schlafhygiene beachtet werden. In diesem Zusammenhang können auch Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Meditation oder Yoga hilfreich sein, um besser zu schlafen und die Schlaftrunkenheit in den Griff zu bekommen.


Schlaftrunkenheit bei Kindern

Schlaftrunkenheit bei KindernBei Kindern bis zu einem Alter von fünf Jahren kann eine Phase der Schlaftrunkenheit eine Dauer von Minuten bis hin zu Stunden haben. Während dieser Zeit zeigen sich die Kinder desorientiert – wie in Trance und es kann sein, dass vollkommen unsinnige Handlungen ausgeführt werden. Eltern stehen oft ratlos und nicht selten stark verängstigt daneben und wissen nicht, was sie mit dem schlaftrunkenen Kind machen sollen.

Erwacht das Kind bzw. lässt das Kind die Schlaftrunkenheit hinter sich, erinnert es sich gar nicht mehr an die Phase der Verwirrung. Das Kind glaubt vielmehr, dass es die ganze Zeit über tief und fest geschlafen hat.

Schlaftrunkenheit bei Kindern ist in der Regel harmlos und nicht behandlungsbedürftig. Im Normalfall verschwinden die Phasen ausgeprägter Schlaftrunkenheit bei Kindern bis zum Einsetzen der Pubertät.

Besteht eine Schlaftrunkenheitsproblematik beim Kind, sollte man besonders darauf achten, dass die Schlafumgebung des Kindes sicher und frei von gefährlichen Gegenständen ist.


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Annika Franke

Als Redakteurin haucht sie seit 2018 den Produkten des Online-Shops Betten.de mit ihren Texten Leben ein. Darüber hinaus schreibt sie gerne Artikel für das Schlafmagazin zu verschiedenen Themen.

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