Demenz und Schlaf – Wie viel Schlaf noch normal ist, auf was man bei Demenzkranken und deren Bettruhe als Angehöriger achten sollte

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Zusammenhang Demenz und Schlaf

Hierzulande leben rund 1,5 Millionen Menschen, die an einer Demenz erkrankt sind und jährlich kommen etwa 40.000 neu erkrankte Personen hinzu. Der überwiegende Teil der Demenzkranken wird im häuslichen Umfeld – oft durch Angehörige – umsorgt und gepflegt. Die Bewältigung des Alltags mit einer an Demenz erkrankten Person gestaltet sich oft schwierig und verlangt den pflegenden Menschen eine Menge ab. Im Betten.de Schlafmagazin befassen wir uns in diesem Artikel intensiv mit dem Krankheitsbild „Demenz“, betrachten insbesondere den Schlaf von Demenzkranken und geben Tipps sowie Anregungen wie sich die Nachtruhe für demente Menschen entspannter gestalten lässt.

Was sind Demenzen?

Das Wort Demenz hat seinen Ursprung in der lateinischen Sprache („de“ = „weg von“, „mens“ (mentis) = „Verstand“, „Sinn“).


Definition – Demenz:

Demenz, die

erworbene, auf organischen Hirnschädigungen beruhende geistige Behinderung

(Quelle: Duden.de)

Unter dem Oberbegriff Demenz bzw. Demenzen werden Erkrankungen zusammengefasst, durch die die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen beeinträchtigt werden. Der Begriff Demenz beschreibt also vor diesem Hintergrund keine konkrete Krankheit oder Krankheitsursache. Es handelt sich vielmehr um die Kennzeichnung eines Syndroms (Gruppe von Symptomen, die typisch für ein bestimmtes Krankheitsbild sind).

Im Verlauf der Demenzerkrankung verstärken sich die Störungen der Hirnleistung. Die Arten der Hirnleistungsstörungen fallen vielfältig aus, besonders häufig kommt es zu einer Beeinträchtigung der intellektuellen Kompetenzen sowie des Gedächtnisses und der Merkfähigkeit. Die Verarbeitung von Reizen und Informationen ist oft ebenfalls bei Demenzkranken gestört. Weiterhin können das Orientierungsvermögen und das Urteilsvermögen getrübt sein. Darüber hinaus wirkt sich die Hirnschädigung bei vielen Betroffenen zusätzlich auf die Motorik und das Sprachfähigkeit aus. Mit fortschreitender Erkrankung sind Demenzerkrankte zunehmend auf die Unterstützung Dritter angewiesen, da die Lebensführung nicht mehr eigenverantwortlich und selbstständig bestritten werden kann.


Primäre und sekundäre Demenzen

Die Ursachen einer primären Demenz befinden sich im Gehirn.Man differenziert bei den Demenzen grundsätzlich in primäre Demenzen und sekundäre Demenzen. Die Ursache für eine primäre Demenz befindet sich im Gehirn. Das Organ ist bei einer primären Demenzerkrankung selbst betroffen und degenerativen Schädigungen unterworfen. Primäre Demenzen sind nicht reversibel (umkehrbar), was bedeutet, dass die Krankheit nicht geheilt werden kann bzw. das die durch die Krankheit entstandenen Schäden und Beeinträchtigungen medizinisch nicht behoben bzw. rückgängig gemacht werden können.

Die Ursache für eine sekundäre Demenz liegt nicht unmittelbar im Gehirn. Bei einer sekundären Demenz gibt es eine andere Grund- bzw. Haupterkrankung, welche die dementiellen Zustände beim Betroffenen auslöst. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Fehlfunktion der Schilddrüse oder auch eine Vergiftung handeln. Teilweise treten sekundäre Demenzen auch im Zusammenhang mit einer schweren Depression in Erscheinung. Hierfür wird oft der Begriff Pseudo-Demenz bzw. Pseudodemenz verwendet. Aufgrund einer sehr stark ähnelnden Symptomatik fällt sie Unterscheidung zwischen einer primären Demenz und einer (durch Depressionen verursachten) Pseudodemenz meist sehr schwer. Wenn die Grunderkrankung, die die sekundäre Demenz bedingt, behandelt wird, ist es in der Regel so, dass damit gleichzeitig alle Demenz-Symptome behoben werden. Deshalb lassen sich die meisten Demenzerkrankungen sekundärer Natur überwiegend den reversiblen (umkehrbaren) Krankheiten zuordnen, weil bei ihnen eine vollständige Heilung der Demenz ohne diesbezügliche gesundheitliche Folgen möglich ist.


Alzheimer / Demenz vom Alzheimer-Typ

Es gibt verschiedene Arten von Demenzen. Die Alzheimerkrankheit bzw. Morbus Alzheimer ist die mit Abstand am häufigsten vorkommende Demenzerkrankung. An zweiter Stelle stehen Demenzen mit gefäßbedingter Ursache, die man auch als vaskuläre Demenzen bezeichnet, die im Zusammenhang mit Durchblutungsstörungen im Gehirn stehen. Darüber hinaus gibt es diverse weitere Ursachen für Demenzen sowie gemischte Formen.


Entdeckung von Morbus Alzheimer

Am 25.11.1901 wird dem diensthabenden Arzt Alois Alzheimer in der Städtischen Irrenanstalt von Frankfurt a.M. eine offenbar verwirrte Frau vorgestellt. Es handelt sich dabei um die damals 51jährige Auguste Deter, die sich außer an ihren Vornamen kaum an etwas erinnern kann. Sie beantwortet die Frage nach ihrem Nachnamen ebenso wie die Frage nach dem Namen ihres Mannes entsprechend mit „Auguste“. Im für Alois Alzheimer schwierigen Erstgespräch mit der Patientin, ist es dieser zwar auch möglich, Alltagsgegenstände wie einen Bleistift oder einen Schlüssel zu erkennen und korrekt zu benennen, sie vergisst diese aber direkt im Anschluss wieder.

Der damals 37jährige, aus Unterfranken stammende Mediziner Alois Alzheimer vermerkte unter anderem in Auguste Deters Akte: „Oft schreit sie viele Stunden lang mit grässlicher Stimme.“ und „Ihre Merkfähigkeit ist aufs schwerste gestört.“ In den Folgewochen setzte sich Alois Alzheimer regelmäßig geduldig mit der Patientin zu Befragungen zusammen. Im Rahmen dieser Gespräche erkennt Alzheimer, dass sich Auguste Deter ihrer hilflosen Lage durchaus bewusst ist, da sie mehrfach äußert, dass sie „sich selbst verloren“ habe. Als Befund hält Alzheimer daraufhin „Krankheit des Vergessens“ im Krankenblatt der Patientin fest.

Alois Alzheimer wird auch noch vom Schicksal seiner Patientin begleitet, als er von Frankfurt a.M. nach Heidelberg und später an die Psychiatrische Klinik nach München wechselt. Die ganze Zeit über lässt er sich über den gesundheitlichen Zustand von Auguste Deter informieren.

Als Auguste Deter schließlich im April 1906 stirbt, lässt er sich ihr Gehirn nach München schicken. Dort seziert er das Hirn unter dem Mikroskop, wobei ihm ungewöhnliche Eiweißablagerungen an den Kontaktstellen der Nervenzellen auffallen. Diese von totem Gewebe eingeschlossenen Eiweißablagerungen (Plaques) sieht er als Ursache für die Verwirrtheit von Auguste Deter an.

Der Münchener Vorgesetzte von Alois Alzheimer, der Psychiater Emil Kraepelin wird die neu entdeckte Krankheit später nach seinem Kollegen benennen: Morbus Alzheimer.

Weitere Informationen im Internet:


Video-Dokumentation über Alois Alzheimer und die Entdeckung der Alzheimerkrankheit

Alois Alzheimer – Lehrjahre – Folge 1

Alois Alzheimer – Der Fall Auguste Deter – Folge 2

Alois Alzheimer – Die Entdeckung – Folge 3

(Filmreihe von BR / ARD-alpha)


Krankheitsverlauf der Alzheimerkrankheit

Klinisch wird die Demenz vom Alzheimer-Typ in drei Stadien eingeteilt, wobei sich die Übergänge fließend gestalten und es individuell sehr große Unterschiede hinsichtlich der Intensität sowie Art und Ausprägung einzelner Störungen und Verhaltensweisen gibt. Es sind allerdings in der Regel so weitreichende Gemeinsamkeiten auffindbar, welche die Zuordnung bestimmter Probleme in die drei Stadien ermöglicht. Pauschal geht man davon aus, dass jedes Stadium der Alzheimer Demenz circa drei Jahre andauert, wobei es sowohl Betroffene mit schneller fortschreitendem Krankheitsverlauf als auch mit langsamerem Verlauf gibt.

Kennzeichen von Stadium I der Demenz vom Alzheimer-Typ

  • Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Störungen in der Merkfähigkeit
  • Nachlassen der Fähigkeit zur Lösung komplexerer Aufgaben und Probleme (wird oft zunächst am Arbeitsplatz deutlich)
  • erste Beeinträchtigungen des Sprachvermögens (Betroffene verschleiern diese häufig durch Verwendung von Redewendung oder Füllwörtern.)
  • bisweilen Störungen in der Orientierung (Erkrankte können dieses meist noch ziemlich gut kaschieren, in dem sie z.B. Verantwortung abgeben, bestimmte Situationen oder Tätigkeiten vermeiden.)

Kennzeichen von Stadium II der Demenz vom Alzheimer-Typ

  • Symptome des ersten Stadiums verfestigen sich und werden zunehmend ausgeprägter
  • stärkere Beeinträchtigung von Gedächtnis und Sprache, allgemeine Verarmung der Sprache, Äußerungen sind oft zusammenhanglos und stehen in keinen Kontext zu gestellten Fragen
  • Einschränkungen in der Alltagsbewältigung, Erkrankte sind zunehmend auf Hilfe durch Dritte angewiesen (Unterstützung wird vor allem bezogen auf die Körperhygiene, das An- und Auskleiden sowie die Nahrungsaufnahme benötigt.)
  • Wahrnehmungen können immer seltener angemessen in die Wirklichkeit eingeordnet werden
  • Störungen des Orientierungsvermögens manifestieren sich (Eine Verschleierung meist nicht mehr möglich.)
  • Häufung von Auffälligkeiten im Verhalten
  • Zunahme von Stimmungsschwankungen (Affektlabilität)
  • Störungen im Schlaf-/Wachrhythmus und/oder Schlafstörungen
  • Auftreten einer schweren räumlichen Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörung möglich
    (Bálint-Syndrom)

Kennzeichen von Stadium III der Demenz vom Alzheimer-Typ

  • Unterstützung und Hilfe sind in sämtlichen Lebensbereichen erforderlich
  • weiterer Fortschritt der Sprachverarmung, nur noch wenige Worte, oft Einwortsätze
  • Auftreten von künstlichen bzw. ungewöhnlichen Bewegungsabläufen, die oft wiederholt werden, möglich (Manirismen)
  • zunehmender Verlust der Körperkontrolle bedingt durch fortschreitende Hirnschädigung (u.a. Inkontinenz, Schluckstörungen und Störungen des Körperschemas)

Weitere Informationen zu Demenz und Alzheimer finden Sie im Internet:


Schlaf von Menschen mit Demenz

Demenzkranke schlafen in der Regel weniger und leiden häufig unter Schlafstörungen.Unser Schlafbedürfnis verändert sich im Laufe unseres Lebens. – Verbringt ein neugeborenes Baby noch an die 18 Stunden täglich schlafend, reduziert sich dieses nach und nach mit dem Heranwachsen, wobei Kinder und Jugendliche immer noch ein höheres Bedürfnis nach Schlaf als Erwachsene im mittleren Alter (durchschnittlich sieben bis acht Stunden) haben. Ab circa dem 50. Lebensjahr nimmt der Schlafbedarf in der Regel leicht ab, so dass man von ca. sechs bis siebeneinhalb Stunden Schlaf im Durchschnitt ausgeht. Demenzerkrankte bewegen sich in der Regel am unteren Level dieses Zeitfenster und haben somit einen durchschnittlichen Schlafbedarf von etwa sechs Stunden. Individuell gibt es in allen Altersklassen und auch bei den an Demenz erkrankten Menschen große Unterschiede, so dass alle Angaben nicht pauschal übertragen werden können.

Bei Demenzkranken ist der Schlaf häufig deutlich fragmentiert – also durch häufigeres Aufwachen in der Nacht in mehrere Abschnitte unterteilt. Neben dieser gestörten Schlaf-/Wachrhythmik sowie einer verkürzten Schlafdauer (frühes Erwachen) fällt oft auch die Schlafqualität nur mäßig aus. Etwa die Hälfte aller Menschen mit Morbus Alzheimer leidet außerdem unter einer Schlafapnoe, die durch Atemaussetzer während des Schlafes gekennzeichnet ist und häufig weitreichende Folgen für Gesundheit und Wohlbefinden hat.


Pflege von Demenzkranken mit Schlafstörungen

Angehörige oder Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen stehen oft vor großen Herausforderungen, wenn es um die Pflege Betreuung von Demenzkranken mit Schlafstörungen geht. So ist es häufig so, dass Menschen mit Demenz, wenn sie in der Nacht aufwachen, aktiv werden. Es kann z.B. passieren, dass sich die erkrankte Person der Schlafkleidung entledigt und sich bis auf die Unterwäsche oder auch vollständig entkleidet. Einige Betroffene versuchen dann auch normale Tagesbekleidung anzulegen bzw. kleiden sich an. Auch sonst werden in der Nacht erwachte Demenzkranke häufig sehr aktiv und entwickeln einen enormen Tätigkeitsdrang. Dieses kann sich z.B. darin äußern, dass Koffer gepackt, Dinge im Zimmer umgeräumt, Gardinen heruntergezogen oder Schränke/Möbel ausgeräumt werden. Oft setzt auch ein gewisser „Wandertrieb“ ein, so dass der Demenzkranke seinen Schlafraum verlässt und in der Wohnung oder in der Pflegeeinrichtung „herumirrt“.

Für Pflegende ist das beschriebene Verhalten von Demenzkranken mit Schlafstörungen mit großen Anstrengungen verbunden. Angehörige können selbst kaum fest und erholsam schlafen, weil sie fortwährend ein „Ohr“ für die an Demenz erkrankte Person haben müssen und sich bei deren Aufwachen entsprechend um sie kümmern müssen. Mitarbeiter in der professionellen Pflege werden durch das Verhalten des erwachten Demenzerkrankten in ihrem üblichen Arbeitsablauf unterbrochen. Außerdem passiert es in Pflegeeinrichtungen häufig, dass der Demenzkranke fremde Zimmer aufsucht und die dortigen Bewohner weckt bzw. aufschreckt, was für viel Unruhe innerhalb der Gemeinschaft sorgen kann. Gelangt die demenzkranke Person nicht in ein anderes Zimmer, irrt sie womöglich weitläufiger durch das Gebäude und muss dann im Rahmen einer „Suchaktion“ erst einmal gefunden werden.

Für den Demenzerkrankten, der aufgrund von Schlafstörungen, in der Nacht wach ist und umherläuft, besteht nicht zuletzt wegen der oft ausgeprägten Orientierungslosigkeit sowie ggf. durch körperliche Einschränkungen stets ein potentielles Unfall- bzw. Verletzungsrisiko. Darüber hinaus kann der in der Nacht fehlende Schlaf dazu führen, dass der Betroffene tagsüber müde und schläfrig ist, was ihn dann an der Teilhabe hindert und so unter Umständen sein Sozialleben weiter einschränkt. Störungen im Schlaf können sich weiterhin schlecht auf das allgemeine Wohlbefinden auswirken, die Demenz-Symptome können sich verstärken und gestörter Schlaf beeinflusst zusätzlich die Gedächtnisleistung negativ. Reaktionen (Verzweiflung, Frust, Ärger bis hin zu Aggressionen) des Umfeldes auf die nächtlichen Störungen durch den an Demenz Erkrankten erhöhen wiederum den Stress auf den Betroffenen, so dass eine gewisse Abwärtsspirale oder auch eine Art von Teufelskreis entstehen kann.


Unruhe am Abend und in der Nacht

Verspüren Demenzkranke am Abend und in der Nacht Unruhe kann dieses für alle Beteiligten sehr belastend sein.Die Gründe, warum Menschen mit Demenz abends unruhig und/oder in der Nacht aktiv werden, können ganz unterschiedlich gelagert sein. Es ist meist kaum zielführend, die Ursachen für dieses Verhalten einzig auf die vorhandene Demenz zurückzuführen. In vielen Fällen gibt es für die vorhandenen Einschlafprobleme und/oder das gestörte Durchschlafen andere Hintergründe, auf die positiv Einfluss genommen werden kann. Dabei kann es sich beispielsweise um Faktoren der Schlafhygiene wie eine falsch eingestellte Raumtemperatur oder einer nicht zum Nutzer passenden Bettausstattung handeln.

Nimmt man allein die diagnostizierte Demenz als Basis für wiederkehrende Unruhe am Abend oder für Schwierigkeiten beim Einschlafen und/oder Durchschlafen, entwickelt sich schnell eine Art „Betriebsblindheit“, welche keinen Blick über den Tellerrand „Demenz“ erlaubt. Ein Hinterfragen anderer Aspekte findet dann meist nicht statt, man findet sich damit ab, dass sich die Verhaltensweisen des Demenzkranken nicht beeinflussen lassen und lässt den „Dingen“ einfach ihren ungünstigen Verlauf. Häufig kann die Lage allerdings schon durch kleine Änderungen oder minimale Anpassungen deutlich beruhigt und verbessert werden. Auf Dauer lässt sich dann vielfach auch ein wesentlich ausgeglicheneres Wach-/Schlafverhältnis erzielen.


Andere Krankheiten ausschließen

Kontrolle des gesamten Gesundheitszustandes durch einen ArztNeben einer Kontrolle und ggf. Anpassung der Schlafhygiene sollte der weitere Gesundheitszustand des Demenzkranken umfassend überprüft werden. Unabhängig von der Demenz können diverse andere Gesundheitsbeschwerden an den Schlafstörungen und/oder abendlichen Unruhe-Zuständen beteiligt sein. Nachfolgend eine Auflistung exemplarischer Erkrankungen, welche sich u.a. störend auf den Schlaf auswirken können:

  • Arthritis
  • Atemwegserkrankungen
  • Dehydration (Flüssigkeitsmangel), Exsikkose (Austrocknung)
  • Depressionen
  • Erkrankungen des Herz-/Kreislaufsystems
  • Erkrankungen innerer Organe (Magen, Darm, Leber, Nieren)
  • Infektionen der Harnwege
  • Krebserkrankungen
  • Muskelkrämpfe (z.B. durch Magnesiummangel)
  • Nächtlicher Harndrang (Nykturie)
  • Ohrensausen (Tinnitus)
  • Restless Legs Syndrom (RLS)
  • Rheuma
  • Schilddrüsenüberfunktionen
  • Schmerzzustände unterschiedlichster Art (z.B. Gicht)

Bitte beachten Sie, dass diese Liste nicht vollständig ist und es auch noch viele weitere Krankheiten geben kann, die Unruhe und/oder Schlafstörungen verursachen können.


Überprüfung des Medikamentenplans bzw. der Medikation

Kontrolle des Medikamentenplans: Gibt es Medikamente, die Schlafstörungen verursachen oder den Schlaf beeinträchtigen?Wenn Schlafstörungen oder ein gestörtes Wach-/Schlafverhältnis bei älteren Personen auftreten, sollte auch immer ein genauer Blick auf alle verordneten Medikamente geworfen werden. Eine Vielzahl von Medikamenten, die oft vom Arzt verschrieben werden, beeinflussen die Qualität und Quantität des Schlafes, weshalb eine kritische Überprüfung erfolgen sollte.




Übersicht einiger Medikamente und ihrer Auswirkung auf den Schlaf

Medikament / Medi­kamenten­gruppe
Ergänzung
Mögliche Folgen für den Schlaf
Betablocker
werden verschrieben bei Bluthochdruck, Herzschwäche
Unterdrückung des REM-Schlafs, können Albträume auslösen und tagsüber schläfrig machen
Benzodiazepine
Schlaf- und Beruhigung­smittel (verschiedene Wirkstoffe)
Reduktion des Tiefschlafs, können Gedächtnis­schwäche, Benommenheit und Stimmungs­schwankungen auslösen
Fluoxetin
Anti­depressivum, Selektiver Serotonin-Wieder­aufnahme­hemmer (SSRI)
nimmt Einfluss auf die REM-Phasen, kann zu Schlaf­losigkeit führen
Phenytoin
wird u.a. bei Epilepsie oder Herz­rhythmus­störungen verschrieben
unterdrückt den REM-Schlaf, macht schläfrig
Ephedrin
enthalten in einigen Erkältungs­mitteln, außerdem zur Behandlung bei niedrigem Blut­druck sowie zur Therapie von Bronchos­pasmus (z.B. Asthma)
kann Schlaf­losigkeit und Schlaf­störungen verursachen
Salbutamol
wird verschrieben bei Asthma oder chronischer Bronchitis
kann Schlaf­losigkeit auslösen
Steroide
z.B. Cortison-Präparate
können Schlaf­losigkeit und Schlaf­störungen ver­ursachen
Simvastatin
Statin (Cholesterinsenker)
kann zu Schlaf­losigkeit führen
Theophyllin
Anti­asthmatika, zur Behandlung von Asthma
verstärkt den leichten Schlaf, kann Schlaf­losigkeit und Schlaf­störungen verursachen


Neben den in der Liste aufgeführten Medikamente bzw. Medikamentengruppen können Schlaflosigkeit und/oder Schlafstörungen auch durch viele andere Wirkstoffgruppen wie die zur Entwässerung eingesetzten Diurektika oder Antibiotika bedingt sein. Hier sollte auf jeden Fall eine versierte medizinische bzw. pharmakologische Prüfung erfolgen.

Angehörige oder Pflegekräfte sollten nicht „auf eigene Faust“ am Medikamentenplan herumexperimentieren. Bei vielen Medikamenten kann ein abruptes Absetzen neben zusätzlichen negativen Auswirkungen auf den Schlaf auch weitreichendere Negativeffekte auf die Gesundheit des Demenzkranken haben.


Beeinträchtigung der inneren Uhr

Unsere innere Uhr steuert unter anderem den Schlaf-Wachrhythmus.Von Natur aus unterliegen wir Menschen verschiedenen biologischen Rhythmen mit denen sich die Wissenschaft der Chronobiologie (abgeleitet von griech. „chronos“ = „Zeit“) beschäftigt. In den 1960er Jahren wurden dazu interessante und sehr aufschlussreiche Studien im oberbayerischen Kloster Andechs betrieben. Freiwillige Versuchspersonen verbrachten unter wissenschaftlicher Aufsicht vier Wochen in vollkommener Abgeschiedenheit in einem unterirdischen Bunker ohne natürlichen Lichteinfluss oder andere Umweltreize. Man fand dabei heraus, dass Wachen und Schlafen sowie die sämtlichen weiteren gemessenen Funktionen wie Leistungsfähigkeit und Körpertemperatur weiterhin regelmäßig in einem ungefähren Tagesrhythmus abliefen. Womit bewiesen war, dass es im Körper eine innere Uhr gibt, die diesen Rhythmus bestimmt. Man fand allerdings auch heraus, dass diese innere Uhr verglichen mit unserer üblichen Zeitmessung etwas nachgeht. So dauerte ein nicht von äußeren Einflüssen geregelter Tag statt 24 Stunden eine Stunde länger – also 25 Stunden. Im Vergleich mit der Uhrzeit und dem Kalender verlagerte sich der innere Rhythmus der Probanden im Experiment jeden Tag um eine Stunde nach hinten.

Mehr dazu im Internet:

Wir werden im regulären Leben mit Tageslicht-Einfluss und Zeitmessung durch Uhren trotz der vermeintlich chronobiologisch fehlenden Stunde des „äußeren“ Tages zum korrekten Zeitpunkt müde. Dieses ist darin begründet, dass jeden Tag eine Anpassung unserer inneren Taktgeber erfolgt. Ein Uhrmeister von außen sorgt also jeden Tag dafür, dass die von Natur aus eigentlich langsamer laufenden Zeiger der inneren Uhr etwas vorgestellt werden. Bei diesem Uhrmeister handelt es sich schlicht um das Tageslicht. Die Justierung unserer inneren Uhr erfolgt sobald es heller als 2.500 Lux ist, was der fünf- bis achtfachen Helligkeit der Regel-Raumbeleuchtung entspricht.

Ein Problem unserer heutigen Zeit besteht darin, dass wir uns mit unserer modernen Lebensart immer weiter von unserer natürlichen Chronobiologie entfernen. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass wir uns immer weniger dem Tageslicht aussetzen, weil wir unsere Zeit überwiegend in Gebäuden verbringen. Dieses trifft in besonderem Maße auf ältere Menschen zu und hier oft noch einmal stärker auf Demenzkranke.

Natürliches Tageslicht kann bei voller Sonne eine Helligkeit von bis zu 100.000 Lux erreichen und bietet selbst bei bewölktem Himmel noch bis zu 8.000 Lux. Selbst mit einer verbesserten Innenraum-Ausleuchtung bzw. künstlichem Tageslicht mit hohen Lux-Zahlen lässt sich das natürliche Licht bzw. die natürliche Lichtwirkung auf den Körper nur schlecht ersetzen. Aus diesem Grund sollte – auch zu Vorbeugung von Schlafstörungen bzw. einem gestörten Wach-/Schlafrhythmus – regelmäßiger Aufenthalt im Freien zum Alltag von Demenzkranken gehören.

Sonnenuntergangsphänomen

Beim Sonnenuntergangsphänomen, welches auch als Sundowning Syndrom oder Sunsetting bezeichnet wird, handelt es sich um eine Verhaltensänderung, die in den späten Stunden des Nachmittags sowie in der Dämmerung (Abendstunden) einsetzt. Betroffene Demenzkranke zeigen dabei eine zunehmende Getriebenheit, Verwirrtheit sowie sprachliche und motorische Unruhe. Orientierungslosigkeit und Aggressivität können ebenfalls auftreten bzw. sich zu diesem Zeitpunkt weiter verstärken. Einige Betroffene schreien auch, andere wollen unbedingt das Haus verlassen.

Bei den an Alzheimer erkrankten Personen leiden bis zu 45% der Betroffenen unter dem Sundowning Syndrom. Es ist aber keine Erscheinung, die sich auf Alzheimer beschränkt, sondern auch bei diversen anderen Erkrankungen auftreten kann, welche mit pathologischen Hirnveränderungen einhergehen, die auf entzündlichen oder toxischen Prozessen basieren.

Man geht davon aus, dass das Sonnenuntergangsphänomen in erster Linie durch Störungen der inneren Uhr ausgelöst wird, welche auf die Degeneration bestimmter Neuronen im Gehirn zurückzuführen sind. Weiter verstärkend auf diese Beeinträchtigung des körpereigenen Rhythmus wirken sich Bewegungs- und Aktivitätsmangel, eine zu geringe (Tages-)Lichtdisposition sowie eine nicht vorhandene oder nicht ausreichende Strukturierung des Tagesablaufs aus. Die Entstehung des Sonnenuntergangsphänomens wird darüber hinaus durch die Einnahme von Medikamenten begünstigt, welche den Betroffenen erst spät am Morgen erwachen lassen oder zu vermehrten Tagesschlafphasen führen. Um dem Sundowning Syndrom entgegenzuwirken, kann es deshalb sinnvoll sein, die genannten Faktoren einer Prüfung zu unterziehen und ggf. Anpassungen vorzunehmen. Begleitend kann in Absprache mit einem Arzt beim Sonnenuntergangsphänomen eine Behandlung mit Melatonin helfen, die Situation des Betroffenen sowie der pflegenden Person/en zu verbessern.


Diagnostik – Beurteilung des Schlafs

Schlafforschungsstudien sowie Erfahrungen von Klinikern belegen, dass bewährte Diagnoseverfahren aus der Schlafmedizin auch für Demenzkranke geeignet und einsetzbar sind:

  • Aktigraphie (Aktigrafie)
    Im Rahmen der Aktigraphie werden die Bewegungsaktivitäten und der Schlaf-Wach-Rhythmus durch ein an eine Armbanduhr erinnerndes Gerät aufgezeichnet. Auf die Weise ist eine Analyse des Schlaf-Wach-Rhythmus möglich, um z.B. vorhandenen Schlafstörungen genauer auf den Grund gehen zu können.
  • Polysomnographie (PSG, Polysomnografie)
    Die Polysomnographie ist ein Verfahren der Schlafmedizin, welches besonders häufig in der Diagnostik der Schlafapnoe eingesetzt wird. Durchgeführt wird die Polysomnographie in der Regel stationär in einem Schlaflabor. Anhand der gewonnenen Aufzeichnungen lässt sich ein individuelles Schlafprofil erstellen, womit sich die Schlafstörungen normal präzise diagnostizieren lassen. Da viele Schlafstörungen sehr wechselhaft verlaufen, kann es erforderlich sein, die Polysomnographie wiederholt durchzuführen.

Tipps zur Schlafhygiene bei Demenzkranken

Das Wort Schlafhygiene mutet beim ersten Hören vielleicht etwas merkwürdig an, setzen wir den Ausdruck Hygiene doch oft schlicht mit Sauberkeit gleich. Dabei kennzeichnet das aus der griechischen Sprache abgeleitete „Hygiene“ die Wissenschaft von der Erhaltung und Pflege der Gesundheit, womit es um deutlich mehr als einfache Sauberkeit geht. Unter den Begriff der Schlafhygiene fallen entsprechend alle Maßnahmen und Verhaltensweisen, welche zur Förderung eines erholsamen und guten Schlafs geeignet sind. Es geht also grundsätzlich um einen guten und korrekten Umgang mit der Nacht und dem Schlaf, wobei ein besonderer Fokus auf der Vorbeugung von Schlafstörungen liegt. Schlafhygiene bezieht sich dabei allerdings nicht nur auf die Nacht, sondern auch auf den Tag, da es auch hier Einflüsse geben kann, die sich störende Effekte auf den Schlaf haben.

Durch die Wahl geeigneter Maßnahmen zur Schlafhygiene lässt sich auch bei Menschen mit Demenz meist die Schlafqualität verbessern und Schlafstörungen vorbeugen.


Raumtemperatur

Die Raumtemperatur im Schlafzimmer sollte an die individuellen Bedürfnisse des Demenzkranken angepasst sein.Die Temperatur im Schlafzimmer sollte für den Nutzer angenehm sein. Dieses kann individuell sehr unterschiedlich sein. Gerade ältere Menschen tendieren dazu, schneller zu frieren. Allgemein wird eine Raumtemperatur zwischen 16°C und 20°C für das Schlafzimmer empfohlen. Handelt es sich beim Demenzkranken um jemanden der eher zum Frösteln neigt, sind wahrscheinlich 20°C (unter Umständen auch höher) passend, während eine Person, die zu vermehrtem Schwitzen tendiert, wohl eher bei einer Temperatur um die 16°C (vielleicht sogar noch niedriger) optimal in den Schlaf findet. Zusätzlich sollte auch darauf geachtet werden, dass die Luftfeuchtigkeit im Zimmer stimmt. – Ideal ist eine relative Luftfeuchte im Bereich von 50%.

Stopper-Socken mit einer rutschhemmenden Sohle oder Noppen halten die Füße des Demenzkranken beim Schlafen warm und beugen Stürzen vor.Unabhängig von der Raumtemperatur ist zu berücksichtigen, dass ältere Menschen generell eine Neigung zu schlecht durchbluteten Extremitäten (Füße, Hände) haben und diese deshalb auskühlen. Es ist daher sinnvoll, dem Betroffenen nachts Socken anzuziehen. Um das Risiko des Ausrutschens zu reduzieren, empfehlen sich dazu so genannte „Stopper-Socken“, die eine vollständig gummierte Sohle oder eine Unterseite mit Gummi-Noppen aufweisen. Wenn man den Eindruck hat, dass auch die Hände in der Nacht extrem kalt werden, können Handschuhe angezogen werden. Dazu sind textile Fingerhandschuhe mit nur halb ausgearbeiteten Fingern bzw. halb abgeschnittenen Fingern sinnvoll. Derartige Handschuhe machen leichteres Greifen möglich, wodurch Fehlgriffen und Stürzen vorgebeugt werden kann. Sowohl Socken als auch Handschuhe sollten nur verwendet werden, wenn man den Eindruck hat, dass diese vom Menschen mit Demenz als angenehm empfunden werden.


Umgebungsgeräusche

Grundsätzlich sollte es im Schlafzimmer so ruhig bzw. geräuschlos wie möglich sein. Bei Demenzkranken sollte insbesondere darauf geachtet werden, dass keine neuen Geräusche bzw. Geräuschquellen hinzukommen. Betroffene können die wahrgenommenen Geräusche oft nicht mehr korrekt zuordnen, was zu verstärkter Unruhe führt und das Einschlafen behindert.

Förderlich auf den Schlaf soll sich Studien zufolge leichte und langsame Musik auswirken. Eine dreiviertel Stunde Musikhören vor dem Schlafengehen soll zur Entspannung beitragen und den Schlaf älterer Menschen auf diese Weise deutlich verbessern können.


Beleuchtung/Licht

Zu helles Licht im Badezimmer behindert am Abend das Einschlafen von demenzkranken Menschen.Vor dem Zubettgehen sollte man generell keiner starken bzw. hellen Lichtquelle mehr ausgesetzt sein, weil dieses bei der inneren Uhr des Körpers „Verwirrung stiften“ kann. Besonders häufig ist es jedoch so, dass gerade für das Bad besonders helles Licht eingesetzt wird – z.B. am Spiegel oder Hängeschrank über dem Waschbecken. Beim Waschen und Zähneputzen bekommt der Körper so noch einmal eine extreme „Lichtdusche“, die es ihm schwer macht, den Zeitpunkt als passend für Schlaf und Erholung zu bewerten. Es empfiehlt sich daher, im besten Fall zwei unabhängige Lichtquellen im Bad zu installieren. Eine, die am Morgen nach dem Erwachen helles Licht spendet und eine mit reduzierter Lichtstärke, die einen sanften Übergang zur Nacht erlaubt und auch beim nächtlichen Toilettengang für eine sichere Beleuchtung sorgt. Alternativ bietet sich eine dimmbare Lichtquelle an, die je nach Tages-, Abend- oder Nachtzeit in der Helligkeit reguliert werden kann.

Der Schlafraum selbst sollte während der Nacht ausreichend abgedunkelt sein. Totale Finsternis ist jedoch bei Demenzkranken nicht empfehlenswert, um Stürzen und Angstzuständen vorzubeugen. Um für etwas Licht im Schlafzimmer zu sorgen, eignen sich Steckdosenlichter, wie sie oft auch im Kinderzimmer genutzt werden, sehr gut. Idealerweise platziert man diese in der Nähe von Türen, um eine gute Orientierung zu bieten.

Wie bereits erwähnt, wirkt sich die Lichtaufnahme massiv auf den menschlichen Körper aus, weil hiervon unter anderem die Funktion der inneren Uhr beeinflusst wird. Um den Schlaf Demenzkranker zu verbessern und Schlafstörungen zu vermeiden, sollte der Betroffene deshalb regelmäßig Tageslicht „tanken“ können. Idealerweise durch Spaziergänge an der frischen Luft am Vormittag zwischen 10:00 Uhr und 12:00 Uhr oder aber auch in den Nachmittagsstunden bis 16:00 Uhr. Ist dieses nicht möglich, sollte über die Durchführung einer Lichttherapie nachgedacht werden. Entsprechend helle Speziallampen bietet der Handel schon für kleines Geld zum Kauf an, so dass die Lichttherapie ohne großen Aufwand auch in den heimischen vier Wänden oder in der Pflegeeinrichtung stattfinden kann.


Bettausstattung

Eine zu weiche Matratze kann sich ebenso nachteilig auf den Schlaf von Demenzkranken auswirken wie eine zu harte Schlafunterlage - Bettausstattung prüfen und individuell anpassen.Wenn der Schlaf beeinträchtigt ist, kann dieses stets auch immer im Zusammenhang mit einer ungeeigneten Matratze stehen. Neben einer mangelnden Eignung kann es außerdem sein, dass die Matratze nicht zu den Liegegewohnheiten des Nutzers passt. So kommen heute vielfach verhältnismäßig weiche Matratzen zum Einsatz. Befindet sich der Demenzkranke in einer Pflegeeinrichtung, wo er nicht mehr auf seiner gewohnten Matratze schläft, kann es sein, dass diese zu weich (oder auch zu hart) ausfällt. Hier sollte man schauen, auf welcher Art von Schlafunterlage der Betroffene vorher geschlafen hat und dann versuchen, ob sich die Schlafprobleme mit einer anderen Matratze reduzieren lassen.

In diesem Zusammenhang ist zu beachten, dass von den Krankenkassen zur Verfügung gestellte Pflegebetten häufig mit relativ einfachen, dünnen Schaumstoffmatratzen „geliefert“ werden. Eine Berücksichtigung individueller Bedürfnisse erfolgt hier in der Regel nicht, so dass diese Matatzen kaum die beste Grundlage für einen erholsamen Schlaf bieten. Wenn eine spezielle Matratze (z.B. Weichlagerungsmatratze oder Wechseldruckmatratze) benötigt wird, kann diese meist gesondert beantragt werden. Gut zu wissen: Es gibt mittlerweile auch spezielle Demenzmatratzen, die so konstruiert sind, dem Nutzer fortwährend „Rückmeldung“ zu geben, was insbesondere Demenzkranken mit einer gestörten Körperwahrnehmung entgegen kommt. Ob die Krankenkasse für eine derartige Matratze die Kosten übernimmt, ist uns leider aktuell nicht bekannt.

Bettzeug (Kissen und Bettdecke) sowie Bettwäsche des Demenzkranken sollten nicht einfach gegen eine neue Ausstattung ersetzt werden. Vertrautes vermittelt Sicherheit und ermöglicht so einen besseren, ruhigeren Schlaf. Wenn aufgrund großer Mängel ein Austausch einzelner Komponenten erforderlich sein sollte, sollte darauf geachtet werden, Ersatzprodukte wählen, die in Eigenschaften, Optik und Haptik so ähnlich wie möglich ausfallen.


Schlafbekleidung

Die Nachtwäsche sollte für Menschen mit Demenz etwas weiter geschnitten sein und nicht einengen. Sie sollte generell aus Materialien bestehen, die gut Feuchtigkeit aufnehmen und vom Körper wegleiten können. Die Wärmewirkung sollte entsprechend der Jahreszeit bzw. der klimatischen Verhältnisse und den Bedürfnissen des Trägers ausfallen. Gewohntes sollte beibehalten werden. Dieses gilt sowohl für die Pflege zuhause als auch in besonderem Maße für die Pflege in einer Einrichtung. Wenn der Demenzkranke z.B. vor seiner Erkrankung nicht gerne im Schlafanzug geschlafen hat, sollte man ihm dieses jetzt nicht „aufzwingen“.

Wichtig ist, dass es eine deutliche Abgrenzung der Nachtkleidung von der Tageskleidung gibt. Die zeitliche Orientierung wird zusätzlich erschwert, wenn der ganze Tag im Schlafanzug oder Nachthemd verbracht wird. Bei bettlägerigen Menschen sollte am Tag zumindest die Oberkörper-Bekleidung getauscht werden, um einen spürbaren bzw. wahrnehmbaren Wechsel zwischen Wach- und Schlafphasen herzustellen.


Raumgestaltung

Auch bei der Raumgestaltung gilt, dass Gewohntes Sicherheit vermittelt. Aus diesem Grund sollte der Schlafraum des Demenzkranken keinen großartigen Veränderungen unterworfen sein. Wird der Betroffene innerhalb der eigenen Wohnung in einem anderen Raum untergebracht oder erfolgt ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung, sollte bei der Gestaltung des Schlafzimmers darauf geachtet werden, dass so viele Dinge wie möglich einen ähnlichen Platz wie gewohnt erhalten. Hilfreich ist es, wenn bereits bekanntes Mobiliar verwendet wird. Das Bett sollte so positioniert werden, dass es die gewohnte Blickrichtung (z.B. zur Tür) bietet.


Nahrungsaufnahme und Zufuhr von Flüssigkeit

Die notwendige Trinkmenge sollte vom Demenzkranken überwiegend am Tag verteilt aufgenommen werden.Über den Tag verteilt, sollte der Demenzkranke ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Je nach verbliebenen Restfähigkeiten sollte er regelmäßig daran erinnert bzw. ihm regelmäßig etwas angereicht werden. Besteht Unsicherheit darüber, ob genügend Flüssigkeit aufgenommen wird, kann (auch im privaten Umfeld) das Führen eines Trinkprotokolls, in dem täglich alle Flüssigkeitsgaben notiert werden, bei der Prüfung helfen.

Paradoxerweise hilft Kaffee einigen Demenzkranken beim Einschlafen.Üblicherweise wird Personen, die unter einem gestörten Schlaf leiden, der Genuss von Getränken und Nahrungsmitteln mit Koffein nicht empfohlen, da Koffein eine aktivierende Wirkung aufweist. In einzelnen Fällen wurden aber bei Demenzkranken (auch bei anderen) gegenteilige Effekte festgestellt. Man spricht in diesem Zusammenhang von Paradox-Wirkungen. Was bedeutet, dass nach dem Genuss einer Tasse Kaffee vor dem Zubettgehen ein besseres Einschlafen und Durchschlafen festzustellen ist als ohne.

Weitere Informationen dazu im Internet:

Am Abend sollten der Magen und die Verdauungsorgane nicht mehr stark belastet werden.Am Abend sollte keine zu üppige oder schwere Mahlzeit gereicht werden. Idealerweise findet das richtige Abendessen verhältnismäßig früh am Abend statt. Später kann man dann noch eine Kleinigkeit, die den Körper nicht allzu stark belastet, servieren.

Weitere Informationen zur Ernährung vor dem Schlafengehen im Betten.de Schlafmagazin:


Toilettengang

Vor dem Schlafengehen sollte der Demenzkranke am Abend noch einmal die Toilette aufsuchen.Bevor der Demenzkranke zu Bett geht, sollte noch ein begleiteter Toilettengang erfolgen, damit sich die Blase und ggf. auch der Darm noch einmal entleeren können.

Bei vorliegender Inkontinenz sollte darauf geachtet werden, dass die verwendeten Vorlagen oder Pants korrekt sitzen und den Betroffenen nicht einschränken.


Rituale

Für alle Menschen sind Rituale gleichbedeutend mit Verlässlichkeit und Sicherheit. Dieses gilt in besonderem Maße für Demenzkranke, die ohnehin schon genug Probleme haben, sich in der Welt zurechtzufinden. Aus diesem Grund sollte es feste Rituale rund um das Schlafen-legen geben, die sich Abend für Abend zuverlässig wiederholen. Dazu gehören die Einhaltung einer möglichst gleichen Uhrzeit sowie eines festen Ablaufs. Idealerweise orientieren sich die definierten Rituale an denen, die der Betroffene schon früher für sich festgelegt hat.


Tagesgestaltung

Der Tag bzw. die Gestaltung des Tages nimmt nicht unwesentlich Einfluss auf die Nachtruhe. Gerade für demente Menschen ist es deshalb wichtig, dass der Tagesablauf gut strukturiert ist und ausreichend Aktivitäten vorgesehen sind. Herrschen Langeweile und Passivität vor, fällt es nicht nur Demenzkranken schwer, einen „gesunden“ Wach-/Schlafrhythmus aufrechtzuerhalten.

Tageslicht und Bewegung an der frischen Luft wirken sich positiv auf den Wach-/Schlafrhythmus bei Demenzkranken aus.Mindestens ein Spaziergang pro Tag bringt den Demenzkranken körperlich in Bewegung. Gleichzeitig profitiert er dabei von den Effekten des Tageslichtes. In Abhängigkeit von den noch vorhandenen Fähigkeiten kann der Betroffene auch leichte Tätigkeiten im Haushalt oder für die Gemeinschaft in der Pflegeeinrichtung verrichten – z.B. beim Decken des Tisches helfen. Aktivitäten sollten vornehmlich auf den Morgen und frühen Nachmittag gelegt werden, damit ausreichend Abstand zur Bettruhe besteht.

Idealerweise wird der Zeitraum von vier bis sechs Stunden vor der Schlafenszeit eher ruhig gestaltet, damit der Demenzkranke langsam „herunterfahren“ kann. Aufregungen jeglicher Art sollten in diesem Zeitfenster vermieden werden. Dazu gehören z.B. laute, schnelle Musik, spannende Sendungen im Fernsehen oder auch Besuchstermine. Eine ruhige Umgebung ohne Hektik schafft die besten Voraussetzungen für einen harmonischen Übergang in die Nachtzeit und den Schlaf.

Für viele Senioren gehört Tagesschlaf in Form eines Mittagsschläfchens zum üblichen Alltagsprogramm. Die Schlafdauer in der Nacht reduziert sich hierdurch allerdings in der Regel, was beachtet werden muss. Übermäßiger Tagesschlaf bzw. eine zu lange Schlafenszeit am Tag sollte unbedingt vermieden werden, weil dieses den Wach-/Schlafrhythmus erheblich stören kann.


Demonstration

Die Kommunikation mit dementen Personen kann sich teilweise sehr schwierig gestalten. In falschen Momenten kann z.B. die „Ansage“, dass es jetzt Zeit fürs Bett ist als unangemessene Bevormundung wahrgenommen werden, worauf der Betroffene ablehnend bis aggressiv reagieren kann. Besser ist es, ein Gespräch aufzubauen, in dem man dem Demenzkranken quasi „durch die Blume“ mitteilt, dass es langsam Zeit zum Schlafen wird. Dieses kann beispielsweise durch Äußerungen wie „Der Tag heute war wieder ganz schön lang.“ oder „Ich bin richtig müde und freue mich schon darauf, dass ich mich gleich hinlegen kann.“ umgesetzt werden. Auch offenes Gähnen kann dazu dienen, dem Demenzkranken zu vermitteln, dass die Schlafenszeit bevorsteht und ihm so auf eine nicht bevormundende Art und Weise eine zeitliche Orientierungsmöglichkeit zu bieten.


Schlafmittel für Demenzkranke

Schlafmittel können Demenzkranken helfen, können allerdings auch die Demenzsymptome verstärkenBei Problemen mit dem Ein- und Durchschlafen, Schlafstörungen oder einer mangelhaften Schlafqualität steht häufig schnell die Frage im Raum, ob es ein geeignetes Schlafmittel zur Lösung gibt. Neben den klassischen Schlafmitteln, die auch als Hypnotika bezeichnet werden, gibt es eine Vielzahl weiterer Medikamente, die sich förderlich auf den Schlaf auswirken können. Einige Medikamente sorgen allerdings auch für eine Verstärkung der Demenz-Symptome, so dass vor Gabe eines derartigen Schlafmittels ein genaues Abwägen der zu erwartenden Vorteile und Nachteile erforderlich ist. Eine enge Absprache mit dem Arzt sowie regelmäßige Kontrolle bei Verabreichung eines Mittels ist unerlässlich. Da von den meisten Medikamenten bzw. Wirkstoffen auch viele Gefahren wie z.B. Abhängigkeit ausgehen, unterliegen sie ohnehin der Verschreibungspflicht.

Als Einschlafhilfe können auch pflanzliche Mittel bei Demenzkranken eingesetzt werden.Es gibt auch eine Vielzahl von Pflanzenpräparaten mit beruhigender, schlaffördernder Wirkung. Sehr bekannt sind in diesem Zusammenhang zum Beispiel Johanniskraut, Baldrian, Passionsblume oder Hopfen. Die meisten pflanzlichen Schlafmittel eignen sich hauptsächlich als Einschlafhilfe. Ein besseres Durchschlafen lässt sich in der Regel damit deshalb nicht erreichen. Auch Pflanzenpräparate sollten nicht achtlos verabreicht werden. So können zum Beispiel Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut-Medikamenten und anderen Medikamenten wie Antidepressiva oder Blutgerinnungshemmern (Antikoagulanzien) auftreten. Johanniskraut kann zudem bei längerer Einnahme auch dazu führen, dass die Haut deutlich empfindlicher gegen Sonnenlicht wird. Die Auswahl und Gabe eines pflanzlichen Schlafmittels sollte daher unbedingt vorab mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.


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Ulrich Carsten

Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop "Betten.de" und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.de-Magazin. Sie finden Ihn auch auf .

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