Schimmel im Schlafzimmer – Woher kommt er und was kann ich tun?

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

© wabeno - Fotolia.comErst liegt ein muffiger Geruch in der Luft und plötzlich ist der feuchte Parasit nicht mehr zu übersehen: Schimmel ist in der Wohnung! Weil viele Betroffene den Befall erst dann feststellen, wenn sich der schädliche Organismus bereits ausgebreitet hat, ist die Not oft groß. Auch ist das Thema Schimmel im Wohnbereich mit Ekel behaftet und die Angst vor den gesundheitlichen Risiken durchaus begründet.

Warum genau der lästige Schimmelpilz die Nähe zu uns Menschen sucht und wie Sie den Schimmelbefall wieder loswerden, erfahren Sie hier.

Wieso ist das Schlafzimmer von Schimmel befallen?

Hier treffen zwei klimatische Faktoren aufeinander: Einerseits schwitzt und atmet jeder Erwachsene in der Nacht bis zu 1,5 Liter Feuchtigkeit aus. Dieses Wasser kursiert in der Raumluft. Es ist erst mal nicht schädlich.

Die feuchte Luft möchte sich nun mit den kühleren Raumbereichen austauschen. Weil das Schlafzimmer in der Nacht oft nicht beheizt ist, gelingt dies auch prima. An der kältesten Stelle kondensiert die nasse Luft. Sie schlägt sich an Fenstern, Türen und Tapeten nieder. Die Folge: Grüner, grauer oder schwarzer Schimmel entstehen.

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Typische Gründe für die Schimmelbildung im Schlafzimmer

Zu hohe Luftfeuchtigkeit
Um sich vor Geräuschen zu schützen, schließen viele Menschen in der Nacht die Tür des Schlafzimmers. Besonders in einem kleinen Raum steigt die Feuchtigkeit zwangsweise rasch an.

Falsches Lüften
Regelmäßiges Stoßlüften kostet täglich etwas Zeit. Bleibt das Fenster zu, kann die gesättigte Raumfeuchte nicht entweichen. Sie schlägt sich im Zimmer nieder.
Umgekehrt ist eine permanente Kipp-Lüftung ebenfalls ungünstig. Sie kühlt das umliegende Mauerwerk aus. Weil kalte Bereiche wiederum Feuchtigkeit „anziehen“, verstärkt sich rings um das Fenster und an der Tapete die Schimmelbildung.

Sparsames Heizen
Viele Menschen schlafen gerne in einem kühlen Raum. Sind die Wände allerdings permanent kalt, ziehen sie nasse Luft förmlich an.

Fehlende Luftzirkulation durch Schränke oder Raumteiler
Die Luft muss in der Wohnung rotieren können. Ist das Schlafzimmer mit Möbeln zugestellt, hemmt dies den natürlichen Austausch der Luftmassen.

Blumen, Tiere oder Wäsche
Ob üppige Pflanzentöpfe, ein Aquarium oder ein Wäscheständer im Schlafzimmer stehen – solche Quellen geben zusätzlich bis zu einem viertel Liter Wasser in die Umgebung ab. In der Folge zeigt sich ein noch stärkerer Befall mit Schimmel.

Kein Ablüften der Matratze
Wer nach dem Aufstehen sofort das Bett macht, hemmt das nötige Auslüften; der Wasserdampf staut sich im Polster. In dem Fall könnte die Matratze sogar irgendwann schimmeln.

Was kann Schimmel im Schlafzimmer noch verursachen?

Nicht immer ist der Mensch verantwortlich. Diese Gründe könnten ebenfalls zur Entstehung von Schimmel beitragen:

Bauliche Mängel bei Bestandsimmobilien
Eine Kältebrücke zieht feuchte Luft an. Ursache können falsch gesetzte Stahlträger, schlecht isolierte Armierungen oder innenliegende Rohre sein. Ebenso könnte eine insgesamt defekte Wärmedämmung am gesamten Haus die Ursache für den Schimmelbefall sein.

Im Neubau: zu dichte Fenster und Türen
Jedes moderne Haus zeichnet sich durch niedrige Energiewerte aus. Der Nachteil: Die neue Wohnung ist oftmals dermaßen hermetisch abgeriegelt, dass ein zuverlässiger Luftaustausch kaum mehr stattfindet.

Baufeuchte
Ob Neubau oder Kernsanierung – Handwerker arbeiten mit viel Wasser. Außerdem könnte das Baumaterial vormals im Regen gelagert worden sein. Das Abtrocknen von Mauerwerk und Estrich kann rund drei Jahre lang die relative Luftfeuchtigkeit konstant erhöhen.

Unser Tipp:
Feuchte Wände ziehen kalte Luft und weitere Nässe kontinuierlich an. Haben Sie einen Neubau bezogen, könnte ein spezieller Bautrockner die Feuchtigkeitsbelastung entfernen. Sprechen Sie mit Ihrem Bauträger oder Vermieter zwecks Kostenübernahme.

Schäden an Rohren und Leitungen
Ein Leck im Rohrsystem ist von außen nicht sichtbar. Erst, wenn das austretende Leitungswasser das Mauerwerk durchfeuchtet, bildet sich ein modriger Schimmelpilz im angrenzenden Zimmer. Die schadhafte Stelle kann ein Fachmann erkennen und zügig beseitigen.

Eindringendes Regenwasser durch die Außenwand
Ist der Putz des Hauses beschädigt, perlt das Niederschlagswasser nicht mehr an der Fassade ab. Die mögliche Folge: Immer wieder sickert Feuchtigkeit ins Mauerwerk. Nach einigen Monaten sind die Wände dermaßen durchnässt, dass sie von innen schimmeln.


Wo kann Schimmel überall auftreten?

Nicht nur die Wände sind anfällig. Ebenso häufig sind Teppiche, die Matratzen, Möbel und feste Einbauten von Schimmelbefall betroffen.

Gut zu wissen!
Auch hier kann Schimmelbildung vorkommen:

  • Im Keller, besonders dann, wenn es sich um einen Altbau handelt.
  • Im Badezimmer – speziell in der Dusche und entlang der angrenzenden Fugen.
  • Rund um den Speicher und das Gebälk.

Werde ich durch die Schimmel-Sporen krank?

Die toxische Belastung ist nicht zu unterschätzen. Gerade empfindliche Personen, Kinder oder Kranke können durch die Ausdünstungen beeinträchtigt werden. Zu den möglichen gesundheitlichen Folgen zählen Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen und Unwohlsein. Ärzte erkennen, ob eine Allergie vorliegt.


Wenn’s passiert ist: Wie entferne ich Schimmel im Schlafzimmer?

In dem Fall muss sofort gehandelt werden. Rücken Sie zunächst alle Möbel von der Wand ab und sondieren und fotografieren Sie den Schaden. Die betroffenen Stellen werden oberflächlich mit Essig oder Alkohol gesäubert.
Vorsicht: Um allergische Reaktionen zu vermeiden, sollten empfindliche Personen jetzt schon einen Atemschutz tragen.

Mauerwerk freilegen
Anschließend muss die betroffene Tapete großflächig entfernt werden. Meist kommt darunter weiterer Schimmelbefall hervor. Der gesamte sichtbare Schimmel muss umgehend mit Alkohol, Essig oder einem Chlorreiniger abgewischt werden.

Fungizidbehandlung
© yavdat - Fotolia.comDanach erfolgt das eigentliche Entfernen der Sporen. Dazu tragen Sie ein spezielles Schimmelspray oder ein sonstiges pilzabtötendes Mittel aus dem Fachhandel auf. Beachten Sie die Gebrauchsanweisung.

Schimmelpilz vorbeugen
Um einen erneuten Befall zu vermeiden, gibt es Präparate mit Depotwirkung. Sie stehen jedoch im Verdacht, die Atemwege übermäßig zu reizen. Ein Anstrich mit Anti-Schimmelfarbe sollte deshalb wohl überlegt sein.

Tapezieren
Ist die betroffene Wand trocken und frei von Schimmelpilzen, kann sie neu gestaltet werden. Wählen Sie eine atmungsaktive und feuchtigkeitsregulierende Tapete wie etwa Raufaser oder eine Vliestapete aus. Ebenso ist ein farbiger Anstrich möglich.

Beobachten Sie die betroffene Stelle in den folgenden Monaten und beherzigen Sie unsere Tipps zur Vermeidung von Schimmel in der Wohnung. Hilfreich ist ferner ein handelsübliches Thermometer. An der vormals befallenen Stelle im Raum angebracht, zeigt es deutlich an, welche Temperatur momentan vorliegt. Notfalls könnte sofort die Heizung aufgedreht werden.


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Wie beuge ich Schimmel im Schlafzimmer vor?

Lassen sich bauliche Mängel oder Schäden am Gebäude ausschließen, müssen konkrete Maßnahmen zum Schutz vor einer erneuten Ausbreitung des Schimmelpilzes getroffen werden. Dazu zählen:

Richtig heizen
Sorgen Sie nicht nur in der kalten Jahreszeit für ein konstant warmes Klima, sondern auch im Frühjahr und im Herbst. Dazu muss die Heizung immer mal wieder angeschaltet sein.
Um den Feuchtigkeitsausgleich zu den anderen Räumen hin zu gewährleisten, temperieren Sie auch diese an. Die Wohnräume sollten eine Temperatur von 17 Grad nicht unterschreiten.

Stoßlüften
Regelmäßiges Lüften ist unabdingbar. Öffnen Sie morgens und abends für mindestens fünf Minuten das Fenster Ihres Schlafzimmers. Ideal ist es, wenn Sie mittels Zugluft quer durch die Räume Ihrer Wohnung lüften können. Dann beseitigen Sie den unerwünschten Wasserdampf von Grund auf.

Möbel von der Außenwand abrücken
Entfernen Sie alle Möbel, die unmittelbar an der Wand stehen und richten Sie einen Mindestabstand von drei Zentimetern zur Außenwand hin ein. Richtiges Lüften nutzt nichts, wenn die Raumluft hinter dem Inventar stagniert und sich dort mit Feuchtigkeit vollsaugt.

Entrümpeln
Auch vollgepackte Kommoden können die Zirkulation unterbinden und Nässe einlagern. Sorgen Sie für eine regelmäßige Belüftung von tiefen Schubladen, der Bettwäsche sowie der Matratze.

Keine Wäschekammer einrichten
Der klamme Wäscheständer oder die nassen Sportsachen sollten grundsätzlich nicht im Schlafzimmer aufbewahrt werden.

Ventilator einsetzen
Richtig angewandt kann das Gerät Schimmel vorbeugen. Starten Sie das Gebläse, kurz bevor sie den Raum lüften. Der Propeller verwirbelt kalte und warme Schichten miteinander. Sie lassen sich anschließend leichter aus dem Wohnbereich entfernen.

Raumluft kontrollieren
Ein einfaches Hygrometer ist ideal, um den Erfolg der Maßnahmen zu überprüfen. Das Gerät misst die relative Luftfeuchte und zeigt Ihnen somit den Wasserdampfgehalt in der Umgebungsluft an. Eventuell müssen Sie häufiger lüften oder mehr heizen.

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Ulrich Carsten

Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop "Betten.de" und seit 2011 Chef-Redakteur im BETTEN.de-Schlafmagazin.

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