Antimon – krebserregend oder doch harmlos?

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In den letzten Jahren geriet Antimon mehrmals in die Schlagzeilen – und das nie in einem guten Licht. Bei Antimon handelt es sich um ein Mineral, das unter anderem in Munition enthalten ist – nicht zuletzt deshalb wurde es plötzlich zum Thema in der Öffentlichkeit. Der bekannteste Vorfall ereignete sich in Berlin: Polizisten absolvierten ihre Schießtrainings in unzureichend belüfteten Schießständen. Antimon, welches beim Abfeuern von Munition in die Luft gerät, reicherte sich an und wurde von den Polizisten zum Teil über viele Jahre hinweg permanent eingeatmet. Nun findet es sich in hoher Konzentration im Blut zahlreicher Beamter. Viele litten oder leiden nach wie vor unter Krankheiten, bei einigen bildeten sich sogar Krebsgeschwüre. Die Betroffenen sind wütend und haben Angst. In den Medien folgte daraufhin ein Aufschrei, da Antimon auch in Matratzen enthalten ist. Es entstand der Eindruck, man würde jede Nacht mit einem krebserregenden Gift in Kontakt kommen.

Danach flaute die Debatte ein wenig ab, bis sie an einem weiteren Beispiel (Antimon in Sporttrikots) den erneuten Weg in das Interesse der Öffentlichkeit fand. Doch was ist Antimon eigentlich genau und ist es tatsächlich so schädlich, wie so oft behauptet wird?

Was ist Antimon?

Antimon ist ein chemisches Element, das in der Natur nur sehr selten auftritt. Weltweit sind ca. 300 Standort verzeichnet, an denen es Vorkommen gibt. Im Periodensystem wird es mit dem Elementsymbol Sb und der Ordnungszahl 51 abgekürzt. Das chemische Element ist nicht radioaktiv und befindet sich bei einer normalen Raumtemperatur im festen Aggregatszustand. Antimon werden viele schädliche Eigenschaften nachgesagt, teilweise wird es sogar als krebsverursachend bezeichnet.

Besteht tatsächlich ein Gesundheitsrisiko?

Diese Frage lässt sich ganz klar verneinen. Es handelt sich bei dem oben aufgezeigten Beispiel um einen sehr dramatischen Fall, doch bezüglich der Verwendung in Matratzen kann Entwarnung gegeben werden. Hierbei kommt Antimontrioxid zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein weißes, kristallines Pulver, welches nicht brennbar ist. Es wird einerseits beim Verbrennen von Antimon, andererseits durch Erhitzen von Antimontrisulfid gewonnen.

Verwendet wird Antimontrioxid als Katalysator in Kunststoffverpackungen und PET-Flaschen, in der Displaytechnik – aber eben auch als Flammschutzmittel für Matratzen. Antimontrioxid ist in sehr hohen Dosierungen erwiesenermaßen reizend, wird aber nicht als giftig eingestuft. Die IARC, die internationale Agentur für Krebsforschung bewertet Antimontrioxid als möglicherweise krebserregend. Eine eindeutige Aussage kann jedoch nicht getroffen werden, da Antimon zumeist zusammen mit noch schädlicheren Stoffen wie Arsen oder Blei auftritt. Hinsichtlich der Verwendung in Textilien besteht also kein gesundheitliches Risiko: In einigen Matratzen ist zwar produktionsbedingt Antimontrioxid enthalten, doch die dort vorkommenden Mengen sind derart gering, dass Verbraucher keinen Anlass zur Sorge haben müssen. Zusätzliche Absicherung verschafft ein international anerkanntes Prüfsystem:

STANDARD 100 by OEKO-TEX®

In der Textilindustrie können Produkte mit dem ÖKO-TEX Standard 100 zertifiziert werden. Dieses unabhängige Zertifizierungssystem gibt dem Verbraucher Auskunft darüber, ob potenziell bzw. nachgewiesen gesundheitsschädigende Substanzen im Produkt enthalten sind. Das wird zur Sicherheit nicht nur am Endprodukt, sondern auch bereits in den verschiedenen Vorstufen der Produktion überprüft. Jedes Bestandteil des Produktes, also beispielsweise auch Nähte oder Reißverschlüsse, werden dem strengen Prüfverfahren unterzogen. Das Label setzt strenge Grenzwerte für mehrere hundert Einzelsubstanzen – dabei darf kein einziger Wert überschritten werden, sonst wird das Produkt nicht zertifiziert. Getestete Substanzen sind etwa Farbmittel, Formaldehyd oder Weichmacher. Neben den Schadstoffen wird zudem überprüft, ob betriebliche, qualitätssichernde Maßnahmen getroffen werden. 15 unabhängige Prüf- und Forschungsinstitute in Europa und Asien sind Teil der Organisation, die hinter dem Siegel steht. Die meisten Matratzen auf dem Markt tragen dieses Gütesiegel. Voraussetzung dafür ist unter anderem, dass in der Matratze nicht mehr als 30 mg/kg des Halbmetalls Antimon vorhanden sein darf.
mehr Infos dazu hier

Wie wird getestet?

Matratzen fallen unter die Produktklasse II, worunter „Hautnah verwendete Artikel“ zusammengefasst werden.
Getestet wird die Konzentration von Antimon unter Verwendung künstlicher, saurer Schweißlösungen, die dem menschlichen Schweiß sehr ähnlich sind. Die Lösungen werden über einen bestimmten Zeitraum mit dem Produkt in Verbindung gebracht und hinterher in einer klaren Lösung untersucht. So lassen sich realistische Auskünfte über die frei werdende Menge an Antimon gewinnen.

Fazit:

Komplett lassen sich chemische Substanzen bei der Produktion nicht vermeiden. Kunden erwarten von einer Matratze, dass sie einen effektiven Schutz gegen Feuer besitzt, deshalb wird Antimontrioxid zur Produktion verwendet. Derart geringe Mengen, wie sie dabei eingesetzt werden, sind aber in keiner Hinsicht gefährlich und daher absolut kein Anlass zur Sorge beim Verbraucher.

Dieser Ansicht ist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung:

Nach dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse bestehen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch daher keine gesundheitlichen Risiken.

Ferner sei das akute Vergiftungsrisiko durch Antimontrioxid gering. Der von ÖKO-TEX vorgegebene Grenzwert wird bei den meisten Matratzen sogar deutlich unterschritten. Bei den Matratzen, die Sie bei Betten.de finden, gehen Sie auf Nummer Sicher. Bevor wir Produkte in unser Sortiment aufnehmen, prüfen wir, dass unsere Lieferanten nach höchsten Sicherheitskriterien produzieren und überzeugen uns von einer „sauberen“ Herstellung. Dabei geht es uns nicht nur um das ÖKO-TEX-Siegel, sondern unter anderem auch darum, ob die Produkte TÜV-zertifiziert sind.

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Ulrich Carsten

Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop „Betten.de“ und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.de-Magazin. Sie finden Ihn auch auf .

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