Filme im Gehirn – was passiert, wenn wir träumen?

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Kunstvolle Visualisierung kreisender GedankenJede Nacht aufs Neue setzt unser Gehirn ein wildes Feuerwerk elektrischer Nervenimpulse frei, die vom Stammhirn aus völlig chaotisch in alle anderen Gehirnregionen gesendet werden. Wir erleben dieses Phänomen als Traum. Ganz egal, ob wir uns am nächsten Morgen an eine zusammenhängende Handlung erinnern können oder glauben, gar nicht geträumt zu haben – jeder von uns träumt vier bis fünf Träume pro Nacht. Aber was passiert im Körper, wenn wir träumen?

Eine kleine Geschichte der Traumforschung

Was tatsächlich in unserem Körper abläuft, während wir träumen, beschäftigt die Neurobiologen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts: Sie entdecken, dass der nächtliche Schlaf zeitlich durchstrukturiert ist. Den Anfang macht Jean Gélineau, der 1880 feststellt, dass während der Traumphase jegliche Muskelspannung erschlafft. Der Forscher Alfred Maury reißt seine Versuchspersonen Anfang des 20. Jahrhunderts regelmäßig aus dem Schlaf – und ist verblüfft, dass sich die befragten Personen extrem selten an ihre Träume erinnern können.

Ein wahrer Durchbruch gelingt 1953 Eugen Aserinsky, der bei einem schlafenden Kind schnelle Augenbewegungen beobachtet. Dieses Rapid Eye Movements (REM) sieht er als Anzeichen für die Traumstadien der Menschen. Übrigens ist die REM-Schlafphase keine menschliche Eigenschaft: Fast alle Säugetiere durchleben diese Phase im Schlaf.

Vom Schlaf zum Traum

Die erste REM-Schlafphase beginnt etwa 90 Minuten nach dem Einschlafen: Die Augen beginnen, hinter den geschlossenen Lidern schnell hin- und herzujagen. Die Muskeln des Körpers entspannen sich, wodurch verhindert wird, dass wir geträumte Bewegungen tatsächlich ausführen und so des Nachts wild herumzappeln. Währen die Gehirnaktivität immer mehr ansteigt, erhöht sich der Blutdruck, der Herzschlag und auch die Atemfrequenz. Pro Nacht erleben wir vier bis fünf Traumphasen, die jeweils im 90-minütigen Abstand auftreten. Dabei werden die Träume jedes Mal ein wenig länger. Häufig erinnern wir uns am nächsten Morgen nur an den letzten Traum oder einzelne Traumfetzen, auch wenn wir jede Nacht gut zwei Stunden träumend verbringen.

Aktuelle Erkenntnisse der Traumforschung

Die neurophysiologische Traumforschung ist ein spannendes Feld, denn sie eröffnet uns ganz neue Sichtweisen auf das komplexe Zusammenspiel von Psyche und Körper. Diese Zusammenhänge geben uns einen besseren Einblick, wie der menschliche Geist funktioniert.

Eine gesicherte Erkenntnis ist, dass ein gesundes Gehirn jede Nacht bis zu zwei Stunden träumt, und zwar mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks. Mithilfe von Hirnstrommessungen wurde festgestellt, dass die für das Sehen zuständige Großhirnrinde während eines Traums fast genauso aktiv ist wie im Wachzustand. Das erklärt, warum Träume von uns vor allem bildlich wahrgenommen werden: Unser Gehirn erhält visuelle Signale wie im Wachzustand. Kaum miteinbezogen sind hingegen Gehirnregionen, die für das Schmecken, das Riechen oder die Schmerzempfindung verantwortlich sind.

Auch dem Stoff, aus dem Träume sind, ist die Wissenschaft bereits auf die Spur gekommen: Es handelt sich um den Neurotransmitter Acetylochin. Im Jahr 1978 wurde diese Substanz im Rahmen eines Forschungsprojekts Versuchspersonen im Schlaf injiziert. Das Ergebnis war das Einsetzen von heftigen REM-Phasen. Alle Versuchspersonen berichteten hinterher, sehr intensiv geträumt zu haben.

Warum vergessen wir Träume?

Es gibt Menschen, die behaupten, nie zu träumen. Das ist natürlich ein Irrtum: Sie können sich nur nicht an ihre Träume erinnern. Manche wissen nur noch Bruchstücke der Traumhandlung, während sich andere gut erinnern. Warum ist das so?

Die Traumforschung hat auch für diese Frage eine Antwort. Die Gehirnsubstanzen, die für Gedächtnisinhalte und deren Speicherung verantwortlich sind, werden von unserem Körper während des Traums ausgeschaltet. Um Erinnerungen an einen Traum abzuspeichern, muss das Gehirn wach sein – und zwar mindestens drei Minuten lang. Wer einen leichten Schlaf hat und nachts öfter aufwacht, erinnert sich besser an seine Träume als jemand, der tief und fest durchschläft. Grämen Sie sich also nicht, wenn Sie wenig träumen – es ist ein Zeichen für tiefen und erholsamen Schlaf!

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Daniela Späth

Daniela Späth

Als dipl. Produktdesignerin ist sie seit 2009 bei der Möbel im Netz GmbH im redaktionellen Bereich und als Koordinatorin der Sortiments-Aufnahmen tätig.

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