Traumforschung – was genau ist ein Traum?

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Treppe führt von Realität zu TraumSie sind anregend und kreativ, manchmal auch bizarr oder völlig absurd, und sie gehören uns ganz allein: unsere Träume. Jede Nacht verbringt jeder von uns zwei Stunden träumend, auch, wenn sich viele am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern. Das macht gut sechs Jahre unseres Lebens. Aber was ist das eigentlich: ein Traum?

Der Traum und seine Bedeutung

Träume haben für die Menschheit schon immer eine ganz besondere, sehr spirituelle Rolle gespielt – und zwar in allen Kulturkreisen. Bereits im Alten Testament sind Träume und ihre Deutung ein wichtiger Bestandteil. Da ist Joseph, der in Ägypten die prophetischen Träume des Pharaos deutet. Der biblische Daniel erkennt in Nebukadnezars Traum die Zukunft der Weltgeschichte. Im berühmten Orakel von Delphi interpretieren geweihte Priesterinnen die Traumbilder der Pilger. Traumvisionen haben auch für die nordamerikanischen Indianer eine wichtige Bedeutung: Viele Rituale, wie zum Beispiel die Berufung der Medizinmänner, sind von geträumten Botschaften beeinflusst.

In all diesen Fällen wird den Träumen eine göttliche oder auch dämonische Quelle zugeschrieben. Sie sind also Botschaften, die den schlafenden Menschen von außen übermittelt werden. Außerdem existiert die Idee, dass der Geist während des Traums auf Reisen geht und dabei seinen Körper verlässt.

Der Traum und das Individuum

Im Europa des 19. Jahrhunderts kommt ein völlig anderer Ansatz auf: Hier gehen Wissenschaftler davon aus, dass Träume lediglich der Ausdruck körperlicher Zustände sind. Der französische Psychologe Alfred Maury erforscht die Zusammenhänge von Träumen mit äußeren Reizen. Er bezeichnet die Bilder und Sinneseindrücke, die das Bewusstsein in der Einschlaf-Phase erfährt, mit dem Fachbegriff hypnagoge Wahrnehmungen. Doch die Phänomene, die er beschreibt, werden von heutigen Traumforschern lediglich als Halluzinationen in der Einschlafphase bezeichnet – mit Träumen haben sie nichts zu tun.

Im Jahr 1900 gibt Sigmund Freud sein Werk „Traumdeutung“ heraus und wird damit zum Vater der modernen Traum-Interpretation. Er vertritt die Meinung, dass Träume die geheimen Wünsche und Sehnsüchte des Träumenden ausdrücken – eine Sichtweise, die bis heute Anhänger findet. Für Freud sind Träume eine wichtige Informationsquelle, die ihm mehr über unbewusste Erlebenswelten des einzelnen Menschen verrät. Seine Traumanalyse hat nicht die Aufgabe, Botschaften von außen zu deuten -sie hat vielmehr die inneren Vorgänge in der Psyche des Menschen zum Thema. Einen prophetischen Gehalt spricht er den Träumen ab.

Warum träumen wir?

Die größte Hürde für die moderne Traumforschung ist sicherlich, dass sich Träume immer nur abhängig vom Wachzustand untersuchen lassen. Allgemein wird davon ausgegangen, dass Träume durchaus eine wichtige Funktion für den Menschen haben. Doch welche Funktion das ist – darüber gehen die Meinungen noch immer auseinander.

Manche Forscher reduzieren Träume auf reine biologisch-funktionale Vorgänge im Gehirn, die für die kognitive Entwicklung unverzichtbar sind. Der Traum aktiviert gezielt Nervenverbindungen und startet Programme, die neue Sinneseindrücke verfestigen und die Entwicklung des Gehirns vorantreiben. Dieser Ansatz wäre eine logische Erklärung, warum gerade Babys sehr häufige und lange Traumphasen erleben. Der Traum ist demnach ein Prozess, der das Gehirn reifen lässt.

Ein anderer Ansatz geht davon aus, dass Träume vor allem zur Identitätsstiftung und Problemlösung dienen. Im Schlaf kann der Geist die Erlebnisse des Tages sortieren und bewerten, ohne dass er dabei durch äußere Einflüsse gestört wird. Bei Lebenskrisen oder Identitätsfragen leistet der Traum wahre Schwerstarbeit. Dieser Ansatz erklärt, warum die Traumaktivität deutlich intensiver wird, wenn jemand in seinem Leben neue Erfahrungen macht.

Träume, Kreativität und Nähmaschinen

Dass Träume kreative Lösungsansätze schaffen können, ist nicht neu. Viele wegweisende Erfindungen wurden im Traum gemacht. Ein wunderbares Beispiel ist der US-Industrielle Elias Howe: Er träumte von einem Prinzip, dass es ihm ermöglichte, eine großartige Erfindung zu machen.

In seinem Traum sah er mit Lanzen bewaffnete Reiter, die ihre Waffen in rhythmischen Bewegungen in den Boden stießen. Ihm fiel auf, dass die Spitzen der Lanzen durchbohrt waren. Durch diese Löcher waren Schnüre gezogen, an denen Wimpeln hingen. Nach dem Aufwachen kam Howe auf eine Idee: Er brachte das Nadelöhr nicht mehr am Ende der Nähnadel an, sondern an der Spitze – und erfand so das Prinzip der Nähmaschine!

Nicht jeder Träumer macht gleich eine bahnbrechende Erfindung, aber das eine oder andere Problem hat sicher jeder von uns bereits im Traum gelöst. Und dass die Wissenschaft das Geheimnis um unsere Träume noch nicht restlos lüften könnte, macht sie nur noch faszinierender. Also: Träumen Sie gut!

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Daniela Späth

Daniela Späth

Als dipl. Produktdesignerin ist sie seit 2009 bei der Möbel im Netz GmbH im redaktionellen Bereich und als Koordinatorin der Sortiments-Aufnahmen tätig.

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