Hypnotherapie bei Schlafstörungen

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Hypnosetherapie zur Behandlung von Schlafstörungen - HypnoseEs gibt viele verschiedene Ansätze, wenn es darum geht, Schlafstörungen zu beseitigen und endlich wieder erholsam schlafen zu können. So haben wir Ihnen hier im Schlafmagazin bereits die Alternativtherapie Schlafrestriktion sowie zahlreiche Entspannungsübungen wie Yoga, Qigong, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Autogenes Training, Meditation oder Atemtechniken vorgestellt. Darüber hinaus haben wir uns auch schon eingehend mit Schlafmitteln sowie natürlichen Schlafhelfern befasst.

In unserem heutigen Artikel wollen wir uns näher mit der Hypnotherapie zur Bekämpfung von Schlafstörungen befassen und Ihnen dazu alle wichtigen Hintergründe liefern. Dabei widmen wir uns unter anderem Fragestellungen wie „Wie funktioniert Hypnose?“ oder „Für wen eignet sich eine Hypnosetherapie nicht?“ und liefern Ihnen entsprechende Antworten.

Hypnotherapie – Was ist das?

Wenn von Hypnotherapie die Rede ist, ist eine Therapie gemeint, bei der Hypnose zur Behandlung eingesetzt wird. Bei der Hypnose handelt es sich um einen besonderen Zustand des Bewusstseins, der vollkommen natürlich ist.

Der Begriff „Hypnose“ geht zurück auf den altgriechischen Ausdruck „Hypnos“, was so viel wie Schlaf bedeutet. Hypnose bzw. der Hypnosezustand ist jedoch kein Schlaf, sondern eher ein Zustand zwischen Wachen und Schlafen – quasi wie kurz vor dem Einschlafen.

Bekannt ist dieser Bewusstseinszustand der Hypnose beispielsweise aus Tagträumen. In den Momenten des Tagträumens richtet der Träumende seine Aufmerksamkeit nach innen und entfernt sich von der äußeren Realität. Man gerät in eine Art Trancezustand. Die Zeit verliert an Bedeutung. Es kommt zu einer verminderten Kontrolle des Bewusstseins, während sich die unbewusste Aktivität intensiviert. Das Unbewusste ist ein gewaltiges Lager an Stärken und Ressourcen.

Auch beim Lesen eines spannenden Buches, welches die volle Konzentration auf sich zieht, gerät man gewissermaßen in Trance, die dem Zustand unter Hypnose sehr nahe kommt. Es ist daher auch nicht weiter verwunderlich, dass man aufschreckt und mitunter sogar aufschreit, wenn man bei der Lektüre gestört wird.

Man kann sich auch selbst hypnotisieren. Die bekannteste Form der Selbsthypnose ist das Autogene Training. Für die Selbsthypnose benötigt man sehr viel Übung, während die Hypnose unter Anleitung bzw. Begleitung durch einen Therapeuten in der Regel ohne Vorkenntnisse / Erfahrungen funktioniert.

Im Rahmen einer Hypnosetherapie setzt man spezielle Methoden ein, um einen Zugriff auf das Unbewusste und damit auf die schlummernden Reserven zu erhalten und diese nutzbar zu machen. Während der Hypnose ist eine Kommunikation mit dem Unbewussten möglich und es lassen sich Prozesse zur Heilung / Lösung in Gang bringen.

Den Fakt, dass man sich auch selbst hypnotisieren kann (s. o.) nutzen viele Hypnose-Therapeuten, um die Erfolge der Sitzungen weiter zu verstärken. Dazu bereitet der Therapeut eine so genannte Leerhypnose vor, die der Patient dann mit nach Hause nehmen kann. Mithilfe der Leerhypnose kann der Patient auch andere eigenhypnotische Übungen wie die Progressive Muskelentspannung, Meditation oder auch Autogenes Training vertiefen und in ihrer Effektivität steigern.

Hypnose wurde lange Zeit nicht wirklich ernst genommen und als Quacksalberei oder Scharlatanerie angesehen, doch mittlerweile belegt eine Vielzahl an Studien die Wirksamkeit von Hypnose bzw. der Hypnosetherapie. Das, was bei Shows und auf Partys, als Hypnose präsentiert wird, kann man auf gar keinen Fall mit der Therapieart Hypnose gleichsetzen.


Die Geschichte der Hypnose

Die erste Beschreibung der Hypnose geht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück und erfolgte durch den Arzt Franz Anton Mesmer. Mesmer sprach damals vom animalischen Magnetismus. Man ging zu dieser Zeit davon aus, dass sich der Zustand der Hypnose nur durch einen von außen angeleiteten Prozess erreichen lässt – wie bei der Showhypnose.

Erst 1950 ging es dann mit der klinischen Hypnose los, welche von Milton Erickson entwickelt wurde. Der aus Amerika stammende Psychiater Erickson gilt noch heute als einer der bedeutendsten Begründer der therapeutischen Hypnose.


Woran erkennt man hypnotische Zustände?

Hypnotische Zustände - TranceKernmerkmal eines hypnotischen Zustandes ist die fokussierte Aufmerksamkeit. Dabei sind sämtliche Gedanken auf ein bestimmtes Thema gerichtet. Dabei kann es sich um eine packende Geschichte, eine sportliche Betätigung oder auch das Kochen eines Gerichtes handeln. Je leidenschaftlicher jemand diesen Aktivitäten nachgeht, umso tiefer kann er in den Trancezustand vordringen.

Hypnotische Zustände sind zudem von einer gefühlten Zeitlosigkeit gekennzeichnet. In der Wahrnehmung kann die Zeit dabei wie im Flug vergehen oder aber man hat überhaupt gar kein Zeitgefühl mehr. – Im Anschluss an therapeutische Hypnose-Sitzungen berichten Patienten häufig, dass sie das Gefühl haben, nur einige wenige Minuten in Trance verbracht zu haben, statt wie in der Realität beinahe eine ganze Stunde.

Ein weiteres Merkmal hypnotischer Zustände ist die ausgeblendete Außenwelt. Von außen kommende Reize werden nicht mehr wahrgenommen. So überhört jemand im Trancezustand beispielsweise das Rufen seines Lebensgefährten oder auch das Klingeln an der Tür. Auch Schmerzen können im Rahmen von Hypnose quasi „überhört“ werden, weil das Hirnareal, welches für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich ist, während der Trance passiver als im regulären Bewusstseinszustand ist. – Wenn regelmäßig geübt wird, kann man diesen Effekt auch über die Trance hinaus ausdehnen, was z. B. für Linderung bei chronischen Schmerzen sorgen kann.


Wofür eignet sich die Hypnotherapie?

Das Anwendungsspektrum von Hypnosebehandlungen ist sehr breit gefächert, so kann man mit Hypnose u. a. Ängste, Phobien, Zwänge oder Depressionen behandeln. Die Hypnotherapie eignet sich zudem zur Behandlungen von Abhängigkeitserkrankungen wie z. B. der Nikotinsucht (Rauchen), der Alkoholsucht oder auch der Spielsucht oder Kaufsucht.

Darüber hinaus lassen sich auch Schlafstörungen mit Hypnose behandeln. Die Hypnosetherapie kommt außerdem auch im Bereich der zahnärztlichen Behandlung zum Einsatz, wo sie nicht nur zur Angst- und Schmerzkontrolle genutzt wird, sondern auch für die Therapie von Bruxismus (nächtlichem Zähneknirschen).

Im Bereich der Medizin nutzt man Hypnose vor allem für die Behandlung chronischer Schmerzen. Zusätzlich kommt die Hypnosetherapie auch als Behandlungsmethode bei Allergien, Asthma, Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis) oder Magen-Darm-Erkrankungen in Frage.

In zahlreichen Studien wurde belegt, dass Hypnotherapien eine Erfolgsquote von rund 70% erreichen.

Hypnose ist außerdem ein wirksames Mittel, um Operationen vorzubereiten. Durch die Hypnose kann der Stress des Patienten reduziert werden, weil sie ihn dabei unterstützt, die eventuell mit der anstehenden Operation verbundenen Ängste und Gefühle von Kontrollverlust und Hilflosigkeit zu überwinden.


Wie hilft die Hypnosetherapie bei Schlafstörungen?

Die Hypnosetherapie eignet sich in erster Linie für die wirksame Behandlung der Primären Schlafstörung (ohne erkennbare physische oder psychische Ursache) sowie von Schlafstörungen mit seelischen bzw. psychischen Ursachen. Treten Schlafstörungen als Folge körperlicher Krankheiten auf, so kann auch hier Hypnose als begleitende Therapie erfolgversprechend sein.

Im Rahmen einer Hypnosetherapie zur Linderung von Schlafstörungen geht es häufig darum, den Geist von negativen Gedanken zu befreien und so ein unbeschwertes Einschlafen zu ermöglichen. Nicht selten resultieren Schlafstörungen nämlich daher, dass Betroffene es am Abend im Bett nicht schaffen, das Gedankenkarussell zu stoppen bzw. sinnloses Grübeln abzustellen. Mittels Hypnose sollen die Grübeleien ein Ende finden, indem Betroffene z. B. positive innere Bilder kennenlernen, die ein sanftes Hinübergleiten in einen angenehmen und erholsamen Schlaf erlauben.

Wer einmal problemlos Hypnose bei sich zuhause testen will, der sollte sich mit der App Hypnobox befassen. Die in der Basis-Version kostenlose App bietet vier Sitzungen inklusive „Besserer Schlaf“. Weitere Bausteine können dazu erworben werden. Die App ist offline nutzbar.


Video: Hypnotherapie bei Schlafstörung | Hypnose DE


Für wen eignet sich die Hypnotherapie?

Die Hypnosetherapie lässt sich nicht bei allen Menschen durchführen. So eignet sich Hypnose z. B. nicht für Personen, die an Demenz erkrankt sind. Menschen, die unter Manie oder Schizophrenie leiden, sollten vor Beginn einer Hypnosetherapie richtig medikamentös eingestellt sind.

Es soll außerdem Personen geben, die nur eingeschränkt hypnosefähig sind.

Für einen Therapieerfolg ist es in jedem Fall wichtig, dass man dem Behandler vertraut und sich gut auf die Therapie einlässt. Wenn dieses gut funktioniert, klappt die Hypnosetherapie in der Regel auch mit weniger hypnosefähigen Probanden.

Niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert werden. – Laut Experten kann man zudem als Hypnotisierter den Trancezustand jederzeit beenden.


Hat die Hypnosetherapie Nebenwirkungen?

Normalerweise zieht eine Hypnosebehandlung keine Nebenwirkungen nach sich. Es kann sein, dass man nach der Sitzung etwas müde oder erschöpft ist, weil das Unbewusste überaus aktiv gewesen ist.

Darüber hinaus kann es im Anschluss eine Hypnosetherapie Behandlung dazu kommen, dass in den Folgenächten vermehrt geträumt wird.


Wie findet man einen Therapeuten für eine Hypnotherapie?

Erster Ansprechpartner bei der Suche nach einem passenden Therapeuten für eine Hypnosetherapie zur Behandlung von Schlafstörungen sind die großen Fachverbände für Hypnose:

Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie (DGH)
Milton H. Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (M.E.G.)

Meistens handelt es sich um ausgebildete Psychotherapeuten, die eine hypnotherapeutische Zusatzausbildung abgeschlossen haben.

Dubiose Therapieangebote von „Laien“, die sich während eines kurzen Kurses Hypnosetechniken angeeignet haben, sollte man meiden. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass die Bezeichnungen wie „Hypno-Therapeut“ oder „Hypnoseanalytiker“ nicht geschützt und genormt sind.


Was kostet eine Hypnosetherapie?

Man muss mit Kosten von 80 Euro bis 120 Euro pro Sitzung mit 50 Minuten Dauer rechnen. Durchschnittlich sind etwa vier bis fünf Hypnose-Sitzungen bis zum Erreichen des gewünschten Therapieziels erforderlich sind. – Dabei gibt es sowohl Ausreißer nach unten (weniger Sitzungen) als auch nach oben (mehr Sitzungen).

Die Hypnosetherapie wird in der Regel nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Es gibt allerdings Krankenkassen, die Zuschüsse für eine Hypnosetherapie leisten. Private Krankenversicherer handhaben den Umgang mit Hypnosebehandlungen sehr unterschiedlich. Man sollte sich also auf jeden Fall im Vorfeld bei seiner Kasse bzw. seinem Versicherer erkundigen.


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Ulrich Carsten

Zertifizierter Bettenfachberater mit dem Schwerpunkt Matratzen in unserem Online-Shop Betten.de und seit 2011 Chef-Redakteur im Betten.de-Schlafmagazin.

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